Andrea Langsdorf aus Niederaula ist fasziniert vom Keltentum und spinnt Wolle selbst

Begeistert an der Spindel

Handarbeit: Andrea Langsdorf verarbeitet mit einer Handspindel Schafwolle, die sie selbst einfärbt – mit Pflanzenfarbe aus der Natur. Die 41-Jährige weiß genau, wo welche Blüten und Blätter zu finden sind. Auch im heimischen Garten werden farbgebende Pflanzen angebaut. Foto: Maaz

Niederaula. Auf der Terrasse trocknet Schafwolle, im Hobby-Raum zieren Pfeile die Wand, historisch anmutende Werkzeuge liegen neben selbst gefertigten Decken und vielen Büchern über die Epoche der Kelten. Hier ist Andrea Langsdorf aus Niederaula in ihrem Element. Die 41-Jährige und ihre Familie sind fasziniert von der Kultur und der Mythologie; und gleich in zwei Keltengruppen aktiv. Den Verein „Buchonia Celtica“ haben sie 2014 mit gegründet.

Zum Keltentum gekommen ist die gebürtige Bad Hersfelderin vor zehn Jahren, als sie ihren Mann Gerhard zunächst zu einer Mittelalter-Hochzeit begleitete. „Das fand ich erst ganz furchtbar“, berichtet die 41-Jährige lachend. Dann aber kam über Freunde der Kontakt zur Keltengruppe in Sünna zustande und ihr Mann habe sie schließlich mit dem „Kelten-Fieber“ angesteckt.

Das meiste wird getauscht

Im Laufe der Jahre haben sich zahlreiche Gebrauchs- und Ziergegenstände angesammelt, das meiste wird in der Kelten-Szene untereinander getauscht. Jeder hat seine Aufgabe: der eine kann Schuhe, der andere Gürtel. „Wir handeln auch mit Römern“, verrät Langsdorf augenzwinkernd.

Fünf bis sechs Mal im Jahr ist die Familie deutschlandweit „auf Lager“. „Unsere Tochter war mit sechs Wochen zum ersten Mal dabei“, erinnert sich Langsdorf. In den Lagern geht es zwar traditionell zu, aber auch nicht allzu streng: Brillenträger dürfen ihre Sehhilfen behalten, zum Frühstück ist Nutella erlaubt und auch sanitäre Anlagen sind keine Seltenheit. „Mir gefallen die Ruhe und die Entschleunigung dort“, so Langsdorf.

Auch im eigenen Garten haben die Langsdorfs ihr selbst genähtes Zelt schon aufgebaut, ab und zu hängen dort Felle zum Trocknen. „Die Nachbarn haben sich an den Anblick gewöhnt“, scherzen sie.

Wolle, Filz und Fell

Die Kleidung für sich, ihren Mann und die Tochter stellt Langsdorf ebenfalls selbst her. „Die ersten Teile waren katastrophal“, aber jetzt gelingen die einfach geschnittenen Kleider, Hosen und Peblos zum Überziehen aus Wolle, Filz oder Fell. Dekorative Fibeln – Sicherheitsnadeln – halten die Gewänder zusammen. Auch ihr Hochzeitskleid hat die Hobby-Keltin selbst genäht, die Vermählung fand 2008 im Keltendorf in Sünna statt. „Einige Gäste fanden das erst komisch, waren dann aber begeistert.“

Neuzeitliches Spinnrad

Mit einem neuzeitlichen Spinnrad und einer Handspindel geht Langsdorf ebenfalls zu Werke. Schafwolle bekommt sie zum Beispiel von Züchtern. Die 41-Jährige wäscht die Wolle, trocknet sie, bringt sie zum Kämmen und dann geht es ans Färben. Dafür greift die 41-Jährige ausschließlich auf Pflanzen aus der Natur zurück. „Hier in der Gegend kenne ich jede Walnuss“, sagt sie. Sowohl deren Blätter als auch die Nussschalen eignen sich zum Färben. Der Bahnhof in Niederaula berge wahre Schätze, aber auch an Rastplätzen gehe die Niederaulaerin spontan auf die Suche, verrät ihr Mann.

Grün, gelb, pink, blau, grau: Alles ist möglich. Für das Färben kommen ein elektrischer Einkochtopf oder Einmachgläser zum Einsatz. „Die Kelten-Zeit ist alles andere als grau“, erklärt Langsdorf, die im vergangenen Jahr erstmals einen Kurs in historischer Wollverarbeitung anbot. Im Alltag verzichtet sie in der Regel auf die Kelten-Kleidung. „Die neuzeitliche Kleidung ist einfach bequemer.“ Hintergrund

Von Nadine Maaz

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