Wochenendporträt: Ex-Landrat Roland Hühn berät die Regierung in Saudi-Arabien

Auf Bedürfnisse eingehen

Auf internationalem Parkett: Seit 2007 arbeitet Roland Hühn (Mitte), der ehemalige Landrat des Kreises Hersfeld-Rotenburg, als Berater in Saudi-Arabien. Unser Foto entstand bei der Vertragsunterzeichnung für das Jeddah Transect Project, ein deutsch-saudi-arabisches Meeresforschungsprogramm. Foto: nh

Oberaula. Seine Erfahrungen aus der Kommunalpolitik haben Roland Hühn, dem ehemaligen Landrat des Kreises Hersfeld-Rotenburg, den Weg auf das internationale Parkett geebnet. In Saudi-Arabien begleitet er als Berater die Reform des Kommunalwesens.

„Wie die Jungfrau zum Kind“, erzählt der ehemalige Verwaltungschef, sei er zu dieser Aufgabe gekommen. Ein Amtskollege aus dem Lahn-Dill-Kreis habe Hühn, der im Jahr 2003 in der Landrats-Direktwahl gegen Dr. Karl-Ernst Schmidt unterlegen war, auf ein Stellenangebot der damaligen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) aufmerksam gemacht. Die bundeseigene Entwicklungshilfeorganisation suchte jemanden mit praktischen Erfahrungen aus der Kommunalpolitik, der zudem auch Englisch spricht. Obwohl Hühn sich keine großen Hoffnungen auf den Job machte, stellte er sich in der Gesellschaftszentrale in Eschborn vor. „Das war Anfang Februar. Ende März saß ich schon in Riad“, berichtet der Rechtsanwalt rückblickend.

Die Arbeitsgruppe, in der Hühn als Projektleiter tätig war, hatte den Auftrag, eine Strategie zur Verbesserung des Kommunalsystems zu entwickeln. Seit in dem Königreich die Hälfte der Volksvertreter demokratisch gewählt wird, trete die Bevölkerung an die Mandatsträger mit der Erwartung heran, dass diese sich für ihre Bedürfnisse einsetzen. „Das ist von der Regierung unterschätzt worden“, meint der einstige Verwaltungschef. Zentrale Aufgabe sei es deshalb, eine bürgerfreundliche Verwaltung aufzubauen. Bisher sei das System von oben nach unten ausgerichtet gewesen. Das aber führe oft zu Entscheidungen, die nicht den örtlichen Bedürfnissen entsprechen, verdeutlicht Roland Hühn.

Landesdirektor

Als die Arbeitsgruppe nach 16 Monaten eine Strategie präsentiert hatte, sei er gefragt worden, ob er das Ministerium für kommunale Angelegenheiten bei der Umsetzung der Pläne weiter beraten wolle. Ein halbes Jahr später wurde Hühn von der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) zum Landesdirektor für Saudi-Arabien ernannt, und war in dieser Funktion zuständig für alle Projekte der Organisation in dem Land. Auch wenn Hühn diesen Posten im Jahr 2012 abgegeben hat, reist er noch immer mehrmals pro Jahr für jeweils vier Wochen als Berater in das Königreich. Derzeit werde ein Projektmanagement-Büro aufgebaut, in dem die Umsetzung konkreter Vorhaben koordiniert werden soll.

Wichtig sei die Gemeindevertreter zu schulen und über ihre Rechte und Pflichten aufzuklären. „Aber auch die Ministerien müssen umdenken“, betont der Anwalt. In dem Land mit einem völlig anderen kulturellen Hintergrund lasse sich das deutsche föderale System nicht eins zu eins übertragen. Dennoch: „Antworten auf neue Entwicklungen müssen überall gefunden werden – dort wie bei uns.“

Von Jan-Christoph Eisenberg

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