Evangelische Kirche Kerspenhausen feiert ihren 500. Geburtstag mit einem Festgottesdienst

Baubeginn im Jahr 1512

Der Innenraum der Kirche in Kerspenhausen wird geprägt durch den Rundbogen, der sich zum Altarraum öffnet und die modernen Fenster. Foto: Apel

KERSPENHAUSEN. Um ein Haar wäre ihr Jubiläum übersehen worden. Aber dank eines aufmerksamen pensionierten Rektors feiern die Kerspenhäuser am Sonntag, 30. September, um 11 Uhr, den 500. Geburtstag ihrer Kirche mit einem Festgottesdienst und einem gemütlichen Beisammensein, am 5. Oktober mit einer Konfirmandennacht und am 30. November mit einem Lichtraumprojekt.

Kerspenhausen wurde vor genau 725 Jahren an das Kloster auf dem Hersfelder Johannesberg verkauft. Dies und das Patronatsrecht des Abts des Klosters Hersfeld lassen – wenn es nach dem Heimatforscher Traugott Classen geht – die Existenz einer Kirche schon vor dem jetzigen Bau vermuten. Nach der Inschrift über dem Eingang („Templum hoc inchoatum ao 1512 reparatum 1768“) wurde 1512 mit den Bauarbeiten begonnen. Rund 250 Jahre später, 1768 – fünf Jahre nach Beendigung des Siebenjährigen Krieges – wurde die Kirche renoviert. Dabei wurde das Kirchenschiff auf eine Länge von 15 Metern und eine Breite von neun Metern erweitert, was Classen angesichts von damals etwa 300 Einwohnern als beachtlich einstuft.

Verantwortlich für den Bau zeichnete der hessische Landbaumeister Johann Friedrich Jussow mit seiner „Vorliebe für betonte Schlichtheit und Nüchternheit“. Zum Ausdruck komme dies, so Classen, in der ausgeglichenen, auf sechs runden Holzsäulen ruhenden Empore, dem einfach gehaltenen Orgelprospekt und dem ungekünstelten Altar, der im mindestens 500 Jahre alten Untergeschoss des Kirchturmes steht. Dieses ist unter einem romanischen Bogen zum Schiff hin geöffnet.

Rätselhafter Stein

Als bemerkenswert bezeichnet Classen das gotische Kreuzrippengewölbe mit dem Schlussstein und einer als Kopf gestalteten Konsole, die Sakramentsnische und einen rätselhaften Stein in der südwestlichen Außenkante des Kirchenschiffs, der ein eingehauenes Kreuz zeigt.

Unbekannt ist, wer die Baumeister und Steinmetze von 1512 beziehungsweise 1768 waren. Möglicherweise handelte es sich vor 500 Jahren aber um Maurer aus Tirol, die im 15. und 16. Jahrhundert an zahlreichen Baumaßnahmen im osthessischen Raum beteiligt waren.

Im Altarraum fallen die neuen, modernen Fenster auf. Sie wurden von dem Künstler Tobias Kammerer entworfen und von der Taunussteiner Glasbaufirma Derix ausgeführt. Zentrale Momente sind die Beziehung von Gott und Mensch, aber auch mögliche Anknüpfungen an die Landschaft des Fuldatals.

Von Wilfried Apel

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