Jana Pistor aus Breitenbach sitzt im Rollstuhl und sucht einen Ausbildungsplatz

Barrieren bei der Jobsuche

Bewerbungsmappen gehören zum Alltag: Die 20-jährige Jana Pistor aus Breitenbach sucht eine Ausbildungsstelle – bisher vergeblich. Foto: Eisenberg

Breitenbach/H. Jana Pistor sucht einen Ausbildungsplatz. Die 20-Jährige aus Breitenbach hat den Realschulabschluss am Gymnasialzweig gemacht, besucht derzeit die höhere Berufsfachschule für Bürowirtschaft in Bad Hersfeld und hat dort einen Notendurchschnitt von 2,2.

Keine schlechten Voraussetzungen für eine Ausbildung in einem Büroberuf – eigentlich. Doch Jana Pistor sitzt im Rollstuhl. Und das ist für viele Arbeitgeber offenbar ein Hindernis. „Über 20 Bewerbungen habe ich in der letzten Zeit geschrieben und bisher nur Absagen bekommen“, berichtet die junge Frau. Häufig erhalte sie ihre Unterlagen ohne große Begründung zurück. Von den übrigen Firmen höre sie meist das Gleiche: Als Rollstuhlfahrerin könne sie keine Akten aus dem Regal nehmen oder die innerbetrieblichen Wege nicht schnell genug zurücklegen. Sofern das Firmengebäude überhaupt rollstuhlgerecht sei.

Auf Rollstuhl angewiesen

Jana Pistor ist mit offenem Rücken auf die Welt gekommen. Seit sie denken kann, ist sie auf den Rollstuhl angewiesen, hat viel Zeit im Krankenhaus verbracht. Sie und ihre Familie sind es gewohnt, zu kämpfen. „Jana war das erste Integrationskind im Kindergarten und in der Grundschule“, berichtet ihre Mutter Ute Pistor. Dass viele Arbeitgeber es offenbar scheuen, Rollstuhlfahrer einzustellen, wundert auch Vater Stefan Pistor. Schließlich werde eine Einstellung von der Arbeitsagentur finanziell unterstützt.

Bei der Arbeitsagentur wird Jana Pistor von der Abteilung Reha betreut. Bei einem Gutachten dort sei festgestellt worden, dass die junge Frau aufgrund ihrer Behinderung insbesondere in längeren Prüfungssituationen unter Konzentrationsstörungen leidet. Das sei auch der Grund, warum sie am Fachabitur gescheitert sei. Von der mit dem Gutachten verbundenen Möglichkeit, mehr Zeit für Prüfungen eingeräumt zu bekommen, habe sie seither aber noch keinen Gebrauch machen müssen. „Jana ist alltagsfähig“, betont ihre Mutter Ute Pistor.

Wenig hilfreich seien bisher die Vorschläge der Arbeitsagentur gewesen. So habe die Agentur Jana Pistor aufgefordert, sich auf Stellen zu bewerben, die sich im Nachhinein als nicht behindertengerecht erwiesen hätten. Jana Pistor hofft, dass sich doch noch ein Arbeitgeber findet, der ihr eine Chance gibt. Vom Traumjob möchte sie dabei gar nicht reden. Vielmehr von einem Beruf, der in ihrer Situation realistisch ist.  

Von Jan-Christoph Eisenberg

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