Die Weihnachtsgeschichte auf „Hiisener Art“ begeisterte mit skurrilen Figuren und originellen Ideen

Atemlos durch den Sand

Hiisener Weihnachten: Mit ihrer Weihnachtsgeschichte der besonderen Art begeisterten die Schauspieler der „Kleinen Bühne Hausen“ am Samstag bereits im zweiten Jahr ihr Publikum mit zwei ausverkauften Vorstellungen in der Scheune der Familie Klinger in dem Oberaulaer Ortsteil. Fotos: Löwenberger

Hausen. „Es ist ein Mädchen“, berichtet der Arztengel atemlos. Nach endloser Pause antwortet der entsetzt dreinschauende Josef ungläubig und zögerlich: „Dann muss die Weltgeschichte neu geschrieben werden“. Aber nein, muss nicht, der Arztengel hat nur Spaß gemacht.

Spaß gemacht hat es auch den Zuschauern in der ausverkauften Klingerscheune, viel Spaß: die Darbietung der Weihnachtsgeschichte auf Hiisener (Häusener) Art. Nicht, dass die „Kleine Bühne Hausen“ die Geschichte neu erfunden hätte. Nein, Zeit, Ort und Handlung entsprechen der Story, die wir alle kennen. Trotzdem ist alles ein wenig anders und vorweihnachtliche Besinnlichkeit weicht mehr skurrilem Humor, lockeren Sprüchen, dreisten Wortspielen, lustigen Songparodien und unerwarteten Pointen. So fragen sich die etwas „anders gearteten“ Heiligen drei Könige (Bully und der „Schuh des Manitu“ lassen grüßen), warum sie zu Fuß durch die Wüste irren mussten, anstatt die „Taliban“ zu nehmen.

„Wasser in de Fess“

Die Hirten glauben an die Geburt des Highländer, entlarven dafür aber den Stern von Bethlehem physikalisch-astronomisch ausgefeilt korrekt als alle 63 Jahre wiederkehrenden Kometen. Josef hat eine Schreinerei in Nazareth gegründet und verteilt endlos Visitenkarten – auch im Publikum. Wie Maria schwanger geworden ist, daran kann er sich nicht so recht erinnern, und die hat ausgerechnet nach dem vom Durst geprägten Marsch durch die Wüste „Wasser in de Fess“.

Zusätzlich sorgen Songs von Freddy Quinn (Heißer Sand…), Helene Fischer (Atemlos...), Nik P. und DJ Ötzi (Ein Stern…) für einige unerwartete musikalische Höhepunkte in der „Hiisener“ Version der Weihnachtsgeschichte. So hat jeder der Protagonisten seine eigene „Macke“ und sein eigenes Highlight, auch Karl-Heinz Klinger, der als Sprecher durch die von Lukas Podolski geschriebene Geschichte führt.

Nein, in Wahrheit hat Ralf Schäfer die Weihnachtsgeschichte für die Hausener neu erfunden und auch die Regie geführt. Premiere hatte das Stück schon im vergangenen Jahr. Weil die Resonanz auf die gelungene Persiflage außerordentlich positiv ausfiel, hatte man sich entschieden, dass Stück in diesem Jahr noch einmal aufzuführen. Beide Veranstaltungen, am Samstagnachmittag und -abend waren dann auch ruck zuck ausverkauft. Ob die ausgefallene Weihnachtsgeschichte noch einmal zur Aufführung kommen wird, dazu wollten sich die Schauspieler noch nicht äußern.

Als am Ende, nach dem Pullerschnaps für Maria, die gesamte Truppe mit Frontfrau Kira Battenberg „Mary’s Boy Child“ intonierte, kam dann doch noch ein wenig Besinnlichkeit auf. Aber da hatten nach einer kurzweiligen Stunde bester Unterhaltung die meisten Zuschauer eh schon Tränen in den Augen – Lachtränen.

Von Bernd Löwenberger

Die Weihnachtsgeschichte auf „Hiisener Art“

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