Land lehnt feste Radarkontrolle am Kirchheimer Dreieck weiter ab

Angst um Sicherheit

Gefahrenstelle: Nachdem im Dezember 2010 ein Lkw-Fahrer in die hüfthohe Betonwand gekracht war, haben viele Kirchheimer das Vertrauen in die Sicherungseinrichtung verloren. Unser Archivbild zeigt Bürgermeister Manfred Koch zwischen den Trümmern, direkt hinter den Trümmern beginnt die Ortslage von Kirchheim. Archivfoto: Hornickel

Kirchheim. Das hessische Innenministerium sieht weiterhin keine Notwendigkeit für eine feste Radarkontrolle am Kirchheimer Dreieck. Das geht aus einem Schreiben hervor, das Bürgermeister Manfred Koch am Donnerstag während der Gemeindevertretersitzung verlesen hat.

Die Autobahngemeinde setzt sich für einen festen Blitzer vor dem Übergang auf die A7 ein, weil sie bei Lkw-Unfällen um die Sicherheit der direkten Anwohner sowie der Schulkinder fürchtet, die auf der Schulstraße die Autobahnbrücke unterqueren.

Die derzeitige Begrenzung für Lastwagen auf 60 Stundenkilometer sei im Februar 2014 aufgrund von Griffigkeitsdefiziten zeitlich befristet angeordnet worden und stehe in keinem Zusammenhang mit der Brücke über die Schulstraße, heißt es in dem Schreiben. Dort seien aufgrund der beengten Platzverhältnisse keine mobilen Radarmessungen möglich. Vor und nach dem Abzweig zur A7 in Richtung Kassel seien keine außergewöhnlichen Geschwindigkeitsübertretungen festgestellt worden. Auch eine Häufung geschwindigkeitsbedingter Verkehrsunfälle, die die Installation eines festen Blitzers rechtfertigten, gebe es hier nicht. Ohnehin, schreibt ein Mitarbeiter des Innenministers, diene eine solche Geschwindigkeitsmessung der Sanktionierung der Fahrer und könne technische Defekte, Unachtsamkeit oder Übermüdung als Unfallursachen nicht verhindern. Zum Schutz vor solchen Ereignissen seien die Betongleitwände entlang des Zubringers errichtet und verstärkt worden.

Ängste ernst nehmen

„Der Inhalt dieses Schreibens zeigt in aller Deutlichkeit, wie ernst die Ängste und Befürchtungen der Menschen im ländlichen Raum entlang der Autobahnen in Wiesbaden genommen werden“, antwortet Bürgermeister Manfred Koch in einem Brief an Innenminister Peter Beuth. Koch verweist darauf, dass die Betongleitwände bereits durch die Wucht eines aufprallenden Lastwagens komplett zerstört worden seien. Eine nachvollziehbare Auswertung der Messergebnisse bleibe das Ministerium weiter schuldig. Ebenso den konkreten Erlass, der eine Messstelle an der Schulstraße verbiete.

Anders als das Ministerium geht der Bürgermeister weiterhin davon aus, dass die Unfälle der vergangenen Jahre ihre Ursache auch in Geschwindigkeitsüberschreitungen haben. „Die Bevölkerung fühlt sich mit diesem vagen und in der Regel nicht nachvollziehbaren Aussagen nicht ernst genommen“, lautet Kochs Fazit.

In Sachen Lärmschutz am Kirchheimer Dreieck hat Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir in einem Schreiben vom 31. Oktober einen Planfeststellungsbeschluss noch in diesem Jahr in Aussicht gestellt. „Das müsste dann ein Weihnachtsgeschenk werden“, kommentierte Koch während der Sitzung.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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