Landwirte sehen der Zulassung der Gen-Mais-Sorte 1507 skeptisch entgegen

Angst vor Abhängigkeit

Will bei der Fütterung seiner Kühe komplett auf Mais verzichten: Der Breitenbacher Bio-Landwirt Klaus Vetter. Foto: Eisenberg

Gethsemane/Breitenbach/H. Die 1507 betrachtet Peter Schneider mit Skepsis. Hinter der Zahlenkombination verbirgt sich eine gentechnisch veränderte Maissorte, deren Zulassung in der EU gerade diskutiert wird. Die Pflanze mit modifiziertem Erbgut produziert ein Gift, das sie widerstandsfähig gegen den Maiszünsler machen soll.

Was auf den ersten Blick verlockend klinge, hält Schneider, der das Gut Gethsemane mit 175 Hektar Land und 70 Milchkühen bewirtschaftet, jedoch nicht für den richtigen Ansatz. Um dem Maiszünsler Herr zu werden, müssten Alternativen zum einseitigen Maisanbau gefunden werden. Denkbar sei etwa der Anbau anderer Pflanzen zur Energiegewinnung in Biogasanlagen, da enge Fruchtfolgen ohnehin negative Auswirkungen auf den Boden hätten.

Die grüne Gentechnik habe in der Vergangenheit viel Vertrauen verspielt, sagt Schneider, der selbst auf 15 Prozent seiner Fläche Mais für seine Milchkühe und für die Biogasanlage im benachbarten Hillartshausen anbaut. Bei der Einführung von verändertem Soja, das gegen das Pflanzenschutzmittel Round Up resistent ist, seien nicht nur Resistenzen bei den zu bekämpfenden Unkräutern und damit eine erhöhte Pflanzenschutzmittelmenge die Folge gewesen, sondern bei Verschleppung in andere Felder saftige Lizenzgbühren. Und eine gentechnisch veränderte Reissorte habe in Indien die Kleinbauern in die Abhängigkeit der Patenteinhaber getrieben. „Eine abhängige Landwirtschaft ist nicht besonders leistungsfähig“, ist sich Schneider sicher, gesteht aber auch ein, dass seine Branche in dieser Frage gespalten sei.

Einmal im Freiland ausgebracht, ließen sich winterharte veränderte Pflanzen nicht mehr aus den Kulturen entfernen. Und weil die Mehrzahl der Verbraucher gentechnisch veränderte Lebensmittel ablehne, betont der konventionell wirtschaftende Landwirt aus dem Philppsthaler Ortsteil: „Ich möchte Produkte erzeugen, die auf Akzeptanz stoßen.“

Bio-Landwirt Klaus Vetter aus Breitenbach am Herzberg will bei der Fütterung seiner 100 Kühe den Silomais aus dem vergangenen Jahr noch aufbrauchen, künftig aber auf den Maisanbau verzichten. Wie bei der Atomkraft würden die Kosten der Gentechnik auf die nachfolgende Generation abgewälzt. Neben nicht ausreichend geklärten Risiken führe eine Kostensenkung zu einer größeren Mais-Anbaumenge. Das habe fallende Preise zur Folge, die Ersparnis sei dahin. Immer engere Maisfruchtfolgen brächten in unserer Region die Gefahr von Erosionen. Den Antrag auf Zulassung der Genmais-Sorte wertet Vetter auch als Vorzeichen des geplanten Freihandelsabkommens mit den USA.

US-Firmen erhofften sich dadurch mit hierzulande noch nicht zugelassenen Verfahren einen Zugang zum europäischen Markt.

„Wenn ich ein Produkt auf den Markt bringe, das keiner will, kann ich es nur auf dem Weltmarkt verschleudern“, erklärt der Landwirt.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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