Das Ergebnis der Arbeit von Stellmacher Kurt Rößing kann sich wieder sehen lassen

Ackerwagen fast wie neu

Kurt Rößing gab dem erneuerten Ackerwagen von Heinrich Leist, der zukünftig auf Festumzügen zu sehen sein wird, mit einem Hobel den letzten Schliff. Foto: Schäfer/Ladwig

Kerspenhausen. Nach sechs Wochen langer, intensiver Handarbeit kann sich das Ergebnis des erneuerten Ackerwagens sehen lassen. Kurt Rößing aus Kerspenhausen hatte den Auftrag, den alten, eisenbereiften Leiterwagen von Heinrich Leist aus Kathus zu erneuern, gerne angenommen.

Der 78-Jährige ist gelernter Stellmacher und ist erfahren im Umgang mit landwirtschaftlichen Geräten aus Holz. „Das Holz des Wagens war vollkommen verfault“, erzählt Kurt Rößing. Er habe ihn genauso handwerklich aufgebaut, wie man das früher tat. Dabei wurden die neuen Ernteleitern aufgebohrt, um die Sprossen einzusetzen. Auch das Holz der Räder wurde ausgetauscht, so dass nur die originalen Speichen aus Eisen geblieben sind. „Das massive Holz beziehungsweise die Materialien hat ein Stellmacher immer vorrätig“, sagt der 78- Jährige. Die Kosten für eine solche Arbeit sind enorm, da starkes Holz verwendet werden muss und alles durch reine Handarbeit produziert wird. Hilfe beim Bau erhielt Rößing von Christian Heyer und Florian Lotz von der Elektrowerkstatt Leist. Diese musste er aber lediglich beim Tragen schwerer Teile in Anspruch nehmen. „Früher fuhr man mit dem Ackerwagen die Ernte oder das Heu vom Feld nach Hause. Heute wird das natürlich alles mit Schlepper gemacht“, so Rößing.

Damit das Getreide nicht zwischen den weit auseinander gebauten Sprossen durchfallen konnte, legten die Bauern ein Jutetuch aus. Ansonsten waren die Wagen eher für den Transport großer Güter geeignet.

Festumzüge und Jubiläen

Der Ackerwagen, der zuletzt nur noch in der Scheune stand, wird zukünftig für Festumzüge und Jubiläen in der Umgebung vorgefahren. Allerdings wird er dann auch von einem Schlepper gezogen und nicht von vorgespannten Pferden oder Kühen, wie es früher üblich war.

Das erste Mal kann man ihn auf dem Festumzug der Kirmes in Kathus am Sonntag, 18. Mai, begutachten. Den Wagen hat er abschließend mit einem selbsterstellten Schild mit den Abkürzungen „Hch. Leist Kathus“ versehen, das ähnlich wie ein Nummernschild auf den Besitzer Heinrich Leist aus Kathus verweist.

Seine Werkstatt erhielt Kurt Rößing von seinem Vater. Auch im Rentenalter passt er noch Schränke an und widmet sich mit viel Freude seinen handwerklichen Fähigkeiten.

Von Sarah Ladwig und Saskia Schäfer

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