Wochenend-Porträt: Bertold Schmidt aus Kirchheim ist ein Hüter der Historie

Achtung vorm Alten

Eine alte Sense war eines der ersten Sammelstücke von Bertold Schmidt. Damals war er 15 Jahre alt und wohnte noch in der Nähe von Bad Kreuznach. Foto: Löwenberger

Kirchheim. Schon als kleiner Junge war Bertold Schmidt in seinem Heimatort Odernheim am Glan, südwestlich von Bad Kreuznach, am liebsten bei Bauern auf dem Feld oder bei Handwerkern in ihren Werkstätten.

Damals wuchs in dem jungen Bertold die Achtung vor den Fertigkeiten und dem Wissen der Bauersleute und besonders der Handwerker. Mit etwa 15 Jahren brachte er ein ausrangiertes Butterfass mit nach Hause, es folgten diverse Sensen und Heurechen. Die Sammelleidenschaft war erwacht.

Trotz des großen Interesses am Handwerk schlug Schmidt aber eine andere Laufbahn ein, machte Abitur und studierte Betriebswirtschaft. In den Semesterferien heuerte er auf Lastschiffen an und fuhr als einfacher Matrose zur See. 1969 kam Schmidt nach Kirchheim und war 15 Jahre lang Geschäftsführer in einer metallverarbeitenden Firma in Bad Hersfeld.

Wende im Jahr 1985

Im Jahr 1985 kam dann die große Wende im Leben des Berthold Schmidt: Mit 44 Jahren stieg er aus dem Berufsleben aus, mit dem Ziel einen Dreiseithof zu finden und dort anderen Menschen die Achtung vor der Leistung der Handwerker und Bauern nahe zu bringen. Das mit dem Hof klappte nicht, dafür erfuhr Schmidt von dem Abriss einer alten Scheune in Meckbach. Mit deren fachgerechter Zerlegung und originalgetreuen Wiederaufbau in Kirchheim legte er den Grundstein für die „Scheune an der Aula“.

Originalgebäude umgesiedelt

Sieben Gebäude umfasst das Ensemble aus Café und Museum auf rund 4000 Quadratmetern heute. Es besteht zum Teil aus umgesiedelten Originalgebäuden wie der Scheune und der Stellmacherei. Andere, wie das Backhaus, wurden nach historischen Zeichnungen und mit passenden Materialien nachgebaut.

„Es ist mir ein besonderes Anliegen, anderen Menschen die Wertschätzung des Könnens und des Wissens der damaligen Handwerker zu vermitteln“, erläutert Schmidt seine Motivation. Ein Stellmacher habe beispielsweise Jahre im Voraus sein Holz im Wald aussuchen müssen und habe sehr umfangreiche Kenntnisse benötigt, um dann daraus einen Leiterwagen zu bauen.

Arbeit mit Kindern

„Ganz wichtig ist mir auch die Arbeit mit Kindern“, sagt Schmidt. Dazu dienten unter anderem auch Veranstaltungen wie das Apfelfest oder ein Handwerkermarkt, die Einblicke in die Geschichte gäben. Zudem lädt Schmidt Schulklassen in seine Scheune ein, führt altertümliches Gerät vor oder veranstaltet Waschtage wie zu Omas Zeiten.

Leben im Heute

Trotz aller Achtung vor dem Alten – Schmidt lebt im Heute. Er nutzt Navigationsgerät, Handy und Computer und weiß um die Bedeutung zeitgemäßen Marketings, um seine Anliegen an den Mann zu bringen. Wenn er nicht mit seinen Schätzen lebt, dann verreist er gerne, am liebsten an die Nordsee oder noch lieber nach Bayern. Dort fährt er Ski und geht zu musikalischen Veranstaltungen. Erst kürzlich hat er wieder so eine Stubenmusik in Bayern besucht.

Und was hat er von dort mitgebracht? Ein paar Ski aus den 30er Jahren.

Von Bernd Löwenberger

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