Kirche hatte zur Gesprächsrunde zum Thema Integration nach Obergeis eingeladen

Verstehen ist das A und O bei der Integration

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Unter der Leitung von Pfarrer Michael Zehender (Mitte) sprachen in der Obergeiser Kirche (von links): Staatsminister Michael Roth, der Obergeiser Neubürger Achmed Alsayed, die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz, Konfirmandin Sophie Richter, die Lehrerin a.D. Ingeborg Dietze und die Pröpstin des Sprengels Hersfeld Sabine Kropf-Brandau, zum Thema Integration.

Obergeis. Zu einer Gesprächsrunde rund um Integration hatte die Evangelische Kirchengemeinde Neuenstein-Amt Geis unter dem Leitgedanken „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ am Samstagabend in die Obergeiser Kirche eingeladen.

Kirchspielpfarrer Michael Zehender übernahm nach der Vorstellung seiner Podiumsgäste Staatsminister Michael Roth, Pröpstin des Sprengels Hersfeld Sabine Kropf-Brandau, Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz sowie Lehrerin a.D. Ingeborg Dietze die Moderation des Abends.

„Weltweit sind derzeit rund 60 Millionen Menschen auf der Flucht, so viele wie noch nie seit dem 2. Weltkrieg. Im vergangenen Jahr kamen 1,1 Millionen davon nach Europa und speziell nach Deutschland“, stellte Roth in seinem Impulsvortrag zu Beginn dar. Die meisten Flüchtlinge blieben in ihren Nachbarländern, teilweise unter schlimmsten Bedingungen. Flucht und Vertreibung seien indes nichts Neues erinnerte der Abgeordnete an die deutsche Auswanderwelle nach Amerika oder Kanada, die Einwanderung der Gastarbeiter aus Südeuropa oder den Strom der Russlanddeutschen zurück in die alte Heimat.

In den folgenden Gesprächen stellte sich bald heraus, dass „Verstehen“ einen wesentlichen Anteil an erfolgreicher Integration hat.

Verstehen im Sinne sprachlicher Kommunikation. Ingeborg Dietze, die an der Geistalschule lange Jahre Deutsch unterrichtete, auch für Ausländer, wies auf die besonderen Schwierigkeiten der Menschen aus dem arabischen Raum hin. Diese müssten nicht nur völlig neue Schriftzeichen lernen, sondern jetzt auch von links nach rechts lesen und schreiben. Bei einem ihrer Schüler, Achmed Alsayed aus Syrien, der jetzt in Obergeis lebt und gerne einmal Zahnarzt werden will, habe es sehr geholfen, dass man sich in „Notfällen“ auf Englisch verständigen konnte. Verstehen aber auch im Sinne von Einfühlen, sich verstehen, die Lage eines Fremden versuchen zu erkennen, seine Lebensumstände und seine Gewohnheiten. „Woher soll der Pakistani wissen, dass er sein Rad nicht auf dem Dach eines Linienbusses transportieren darf?“, war ein Beispiel.

Neben vielem Anderem kamen natürlich auch Themen wie Christentum und Islam zum Tragen. Nicht nur im Koran auch in der Bibel stünden Vorgaben, die der heutigen Zeit nicht mehr entsprächen, beantwortete Kropf-Brandau den Einwurf eines Besuchers, wonach Muslime Christen nicht lieben dürfen. „Wer einer Muslimin das Tragen eines Kopftuches, das sie als Zeichen ihrer Religionszugehörigkeit trägt, wegnehmen will, der muss konsequenterweise den Christen auch das Kreuz am Halskettchen verbieten“, sagte Roth dazu.

Elke Künholz berichtete, dass man die Lage im Kreis trotz Personalmangels mittlerweile gut im Griff habe, und sich nunmehr verstärkt integrativer Maßnahmen annehmen könne. Insgesamt herrschte große Einigkeit, das gegenseitiger Respekt und Verständnis für den Gegenüber praktikable Maßnahmen sind, Fremde in unsere Gesellschaft aufzunehmen.

Von Bernd Löwenberger

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