Hintersinnige Unterhaltung

Kabarett mit Gernot Voltz im Schloss Neuenstein

Scharfsinniger Beobachter: Kabarettist Gernot Voltz nahm als Oberamtsrat Heuser in der Reihe „Hör mal im Denkmal“ auf Schloss Neuenstein das deutsche Steuersystem und die Steuerbürger aufs Korn. Foto: Ute Janßen

Neuenstein. Was hat das deutsche Steuersystem mit Denkmalschutz zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel, aber für Gernot Voltz alias Oberamtsrat Heuser vom Finanzamt ist völlig klar, dass das deutsche Steuersystem einer der heißesten Kandidaten auf der Liste der Unesco für das immaterielle Weltkulturerbe ist. Insofern passte der Abend auf Schloss Neuenstein der unter dem Titel „Versteuerst du noch oder lebst du schon?“ stand, hervorragend in das Rahmenprogramm zum Tag des offenen Denkmals.

Für die These, dass das deutsche Steuerrecht Weltkulturerbe werden muss, konnte der eifrige Finanzbeamte und passionierte Quittungssammler Heuser, der auf der internationalen Quittungsmesse Quebit in Hannover immerhin einen 4000 Jahre alten Bewirtungsbeleg des Pharaos Tut Ench Amun ergatterte, einige zwingende Argumente anführen.

Göttlicher Charakter

Das deutsche Steuerrecht habe einen geradezu göttlichen Charakter, weil es die Möglichkeit der Vergebung per Selbstanzeige in sich trage. Dafür müsse man die angebotenen Datenträger nicht einmal wirklich kaufen: Ihm sei es vor kurzem allein mit der Ankündigung, er habe eine CD, gelungen, einen säumigen Steuerzahler zur Selbstanzeige zu nötigen, dabei habe es sich doch lediglich um „Kuschelrock IV“ gehandelt.

Auch in seiner friedensstiftenden Wirkung sei das deutsche Steuersystem nicht zu unterschätzen. Zum Krieg führen bleibe dem deutschen Bürger keine Zeit, diese werde benötigt, um die komplexen Steuerformulare auszufüllen.

Bei seinem Parforce-Ritt durch das Land Absurdistan, in dem ein Esel in verschiedenen Stadien seines Lebens bis hin zur Wurst zu unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen berechnet wird und dabei sorgfältig vom Zebroiden, der wiederum anders versteuert werde, unterschieden werden muss, ließ Gernot Voltz alias Oberamtsrat Heuser nur wenige Beamtenklischees aus, konnte jedoch an vielen Stellen durch ausgesprochen scharfsichtige Beobachtungen des alltäglichen Wahnsinns überzeugen.

Immerhin muss Essen auf Rädern, das aus Plastikbehältern gegessen wird, nur dann nachversteuert werden, wenn es im Sitzen und nicht „to go“ verzehrt wird. Und so richtig kompliziert wird es mit der Berechnung des Mehrwertsteuersatzes eigentlich erst dann, wenn Zebroide im Kindersitz mit dem Treppenlift zum Bäcker fahren.

Kostenpauschale für Buddha

Dass auch Finanzbeamte durchaus technikaffin sein können, stellte Voltz mit der Bügel-App auf seinem Smartphone unter Beweis, das ihm vor allem beim exakten Glätten schlampig aufbewahrter Quittungen wertvolle Dienste leistet. Auch die musikalische Seite kam an diesem vergnüglichen Abend nicht zur kurz: Die Bedeutung des Finanzbeamten wurde auch mithilfe virtuos vorgetragener, sehr eigenwilliger Chanson-, Blues- und HipHop-Adaptionen betont. Und wenn selbst Buddha sich fragt, wie hoch die Kostenpauschale ist, wenn der Weg das Ziel ist, ist es völlig logisch, dass nach der Apokalypse nur noch die Kakerlake, Keith Richards und die Steuer übrig bleiben.

Von Ute Janßen

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