Noch nie eine Saison ausgelassen

Otto Becker drischt seit 50 Jahren Getreide

Vor ihren Maschinen haben die Fahrer auf einem Feld in Neuenstein Stellung bezogen: (von links) Otto Becker, der seit 50 Jahren Mähdrescher fährt, sein Bruder Heinrich und Carsten Lauenroth vor den modernen Geräten mit 5,40 Metern Schnittbreite. Foto: Löwenberger

 Raboldshausen. Vor 50 Jahren hat der Raboldshäuser Otto Becker seinen ersten Mähdrescher gekauft. Seitdem ist er jeden Sommer als Lohndrescher im Einsatz. Ausgelassen habe er dabei noch nie eine Saison, berichtet er nicht ohne Stolz.

Zwei Jahre später wurde ein zweiter Mähdreschen angeschafft, und so bringt es Bruder Heinrich „erst“ auf 48 Jahre, die aber auch ohne jede Unterbrechung. Während Otto als Chef der Neuensteiner Landtechnikfirma selbst ins Steuer griff, opferte der anderweitig beschäftigte Heinrich alljährlich seinen Jahresurlaub für die Drescharbeiten. Damals sei das Mähdreschen echte Schwerstarbeit gewesen, berichten die Becker-Brüder. Ohne Kabinen sei man der Sonne und dem Staub voll ausgesetzt gewesen und abends meist schweißgebadet und dreckverkrustet vom Bock gestiegen. Auch eine Servolenkung sei damals noch kein Thema gewesen.

Für 100 Betriebe gedroschen 

„Bis in die neunziger Jahre hatten wir an die 100 Betriebe zwischen Friedlos und Neuenstein, für die wir gedroschen haben“, erzählt Otto Becker. An schönen Tagen hätten damals morgens Früh an die zwanzig Kleinbauern auf dem Hof gestanden, weil jeder der Erste sein wollte. Heute betreut der Betrieb noch rund 30 Kunden, was daran liegt, dass es die vielen kleinen Landwirtschaften nicht mehr gibt.

Drei Maschinen sind derzeit im Einsatz: Ein Claas DO 88 SL - den fährt Otto, ein Claas Medion 310 - für Heinrich, je mit 3,60 Meter Schnittbreite und als neuester ein Tucano 430 mit 240 PS und 5,40 Meter Schnittbreite - gefahren von Carsten Lauenroth. Die jetzigen Maschinen sind natürlich alle mit Kabinen mit Klimaanlage, Kühlbox und sogar mit Radio ausgestattet.

Heinrich Becker liebt besonders den hydrostatischen Fahrantrieb. Da schiebt man, ohne Kupplung, nur noch einen Hebel nach vorne oder hinten und bewegt das Fahrzeug so in die entsprechende Richtung. Damit schaffen sie die Aufträge leicht, unter anderem auch, weil immer mehr Bauern statt Getreide Mais als Futter oder für Biogasanlagen anbauen.

Jeder hat sein Einsatzgebiet

Etwa von Mitte Juli bis Ende August dauert die Mähdreschsaison. Dabei hat jeder Fahrer sein Einsatzgebiet. Heinrich Becker ist im oberen Geistal, Lauenroth in der Mitte und der Chef in Ober- und Untergeis unterwegs, wo man ob der steilen Hanglagen besonders aufpassen muss, damit der Mähdrescher nicht umkippt.

Weil das Unternehmen bereits so lange in der Region tätig ist, gibt es hier keinen Mitbewerber und so werden die drei Mähdrescher-Piloten auch noch in den nächsten Jahren im Sommer ihre Runden auf den Neuensteiner Feldern drehen.

Von Bernd Löwenberger

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