Gesundes aus der Natur

Kräuterfrau Christa Becker kennt die Heilkraft der Pflanzen

Bei ihren Spaziergängen am Eisenberg entdeckt Christa Becker immer wieder Neues. Hier erklärt sie, wie sich die Wilde Möhre von anderen weißen Doldenblütlern unterscheidet.

Raboldshausen. Kastanien erhalten selten die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Sie werden zwar in Bad Hersfeld und Umgebung eifrig für das Lolls-Feuer gesammelt, aber sie können noch viel mehr. „Die Früchte der Rosskastanien sind ein Heilmittel bei Venenerkrankungen“, erklärt Kräuterfrau Christa Becker. Die Bäume seien im 16. Jahrhundert nach Deutschland geholt worden, weil die Früchte als Pferdenahrung dienten. Und die bitter schmeckenden Blätter wurden zum Bierbrauen eingesetzt, wenn man keinen Hopfen hatte.

Ein Spaziergang mit Christa Becker wird zur Entdeckertour. Alle paar Schritte findet sie ein Pflänzchen, häufig klein und unscheinbar, zu dem sie etwas erzählen kann. „Ich bin selbst erstaunt, welche Fülle hier am Eisenberg wächst“, sagt die Kräuterfrau. „Das ist wirklich eine botanische Schatzkammer. Sie weiß, welche Kräuter man essen kann und bei welchen man das lieber lassen sollte, sie kennt den Geschmack und vor allem die heilenden Wirkstoffe ganz vieler Pflanzen und weiß, wie sie am besten verarbeitet werden sollten. Und oft genug kann sie auch etwas darüber erzählen, wie unsere Vorfahren gewisse Pflanzen nutzten. Der Spitzwegerich, zum Beispiel, hilft bei Husten. Dazu werden die Blätter kleingehackt und mit flüssigem Honig übergossen. Die Knoblauchsraucke wurde zum Würzen eingesetzt. Die Blätter schmecken nach Knoblauch, die Samen sind scharf wie Pfeffer.

Interesse an alternativen Heilmethoden

Kräuterfrau zu werden war für Christa Becker ein langer Weg. Sie begann in den 1970er-Jahren mit einer Lehre als Arzthelferin und war anschließend mehr als 30 Jahre in verschiedenen Arztpraxen und Kliniken tätig. Im Laufe der Jahre, so erzählt sie, wuchs ihr Interesse an alternativen Heilmethoden. Gleichzeitig schwand ihr Zutrauen zur Schulmedizin. Eigene Krankheiten waren eine zusätzliche Motivation nach traditionellen Heilmitteln aus der Natur zu suchen.

Ausbildung mit Zertifikat

Als Christa Becker vor dreieinhalb Jahren mit ihrem Mann Stefan in dessen Heimatdorf Raboldshausen zog, war ihr klar, dass sie nicht weiterhin als Arzthelferin arbeiten wollte. Sie begann eine Ausbildung in Pflanzenheilkunde an der „Vogelsberger Kräuterschule“ in Feldatal-Köddingen, die sie mit Zertifikat abschloss. Dazu gehört nicht nur detailliertes Wissen über die Pflanzen und ihre Anwendung, sondern auch Kenntnisse über deren Verarbeitung. Die Kräuter werden getrocknet, mit Salz, Honig, Öl oder Alkohol vermischt, die ätherischen Öle destilliert und für Salben und Cremes verarbeitet.

Zunächst nutzte Christa Becker ihr neu erworbenes Wissen privat in Familie und Freundekreis. Auf Anregung von Walter Glänzer, Bürgermeister von Neuenstein und ebenfalls Raboldshäuser, beschloss sie jedoch, sich als Kräuterfrau selbständig zu machen.

Kräuterwanderungen

Termine und Informationen

Die nächsten Kräuterwanderungen beginnen am Samstag, 10. September, um 14 Uhr, am Sonntag, 11. September sowie am Sonntag, 18. September, jeweils um 9 Uhr. Infos und Anmeldung: Telefon 0 66 77/918 03 33; E-Mail: info@christabecker.de; Internet

www.christabecker.de

Seitdem bietet sie regelmäßig Kräuterwanderungen und Spaziergänge an. Sie hält Vorträge und ist auch gerne bereit, mit Gruppen Kräuter zu sammeln und anschließend damit zu kochen. Eine eigene Kräuterküche sucht Christa Becker noch. Dort will sie dann auch Tees, Tinkturen und Salben zubereiten und zum Verkauf anbieten. Das Interesse an der Heilkraft der Pflanzen und an ursprünglicher Ernährung sei groß, freut sich Christa Becker. Deshalb würde sie, wenn sie denn eine geeignete Küche gefunden hat, gerne auch Kochkurse anbieten. „Die Wildpflanzen stecken voller Vitamine und Mineralstoffe. Und sie schmecken gut“, schwärmt die Kräuterfrau. Therapieren darf sie ihre Kunden übrigens nicht, obwohl sie ausgebildete Phytotherapeutin ist. Sie kann allenfalls sagen, was sie selbst in einer bestimmten Situation nehmen würde. „Mein Mann war in den letzten Jahren kaum krank. Ich behandle ihn wohl gut“, lacht Christa Becker, die ihre Kräuter gerne bei Erkältungskrankheiten, Magenverstimmungen, Hautkrankheiten und kleinen Wunden einsetzt. Heilsame und wohlschmeckende Pflanzen sammelt sie nicht nur in Feld und Flur, sie hat auch im eigenen Garten ein großes Kräuterbeet angelegt. Dort gedeihen etwa 60 verschiedene Pflanzen, die die Kräuterfrau zum Schwärmen bringen. Da sind die leuchtend gelb und orange blühenden Ringelblumen, die sie unter anderem zu Salben verarbeitet, die bei Hautproblemen helfen, oder der zartblaue Muskatellersalbei, der als kühles Gesichtsspray an heißen Tagen ungemein erfrischend ist. Da wächst der unscheinbare Gundermann, eine Pflanze, die selbst unter Schnee gedeiht und die sowohl bei Halsschmerzen hilft, als auch als aromatisches Gewürz in der Küche zu verwenden ist.

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