Der Bürgerprotest hatte Erfolg

Geistal- und Kurpark-Trasse sind endgültig vom Tisch

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Die heimischen Bundestagsabgeordneten Helmut Heiderich (rechts) und Michael Roth (links) bei der Übergabe der 5.000 Unterschriften aus dem unteren Geistal und Ludwigsau an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (Mitte).

Hersfeld-Rotenburg. Die in der Region heftig kritisierte Schnellbahntrasse durch das Geistal über Ludwigsau nach Bebra wird endgültig verworfen. Das berichten die beiden Bundestagsabgeordneten Helmut Heiderich (CDU) und Michael Roth (SPD) nach einem Treffen mit Bundesverkehrsminister Dobrindt. Dabei hatten sie ihm rund 5000 Unterschriften gegen das Projekt übergeben. Auch die Kurpark-Trasse ist vom Tisch, weil sie technisch nicht umsetzbar sei.

Bundesverkehrsminister Dobrindt sagte Roth verbindlich zu, dass im Kabinettsentwurf für den Bundesverkehrswegeplan 2030 anstelle der beiden bisher diskutierten Trassenentwürfe ein großräumiger Planungskorridor aufgenommen wird, innerhalb dessen die künftig ICE-Trasse verlaufen solle. Innerhalb dieses Korridors liege auch der Bahnhof Bad Hersfeld, so dass die zentrale Position der Kreis- und Festspielstadt im Fernverkehr auch künftig garantiert sei. Damit wird auch die im bisherigen Entwurf des Bundesverkehrswegeplans vorgesehene ICE-Neubaustrecke durch das Geistal verworfen, die den Bad Hersfelder Bahnhof weitläufig umfahren hätte. In dem Gespräch bestätigte Dobrindt ebenso, dass die vormals geplante Trasse durch den Bad Hersfeld Kurpark mittlerweile nicht mehr zur Debatte stehe, da sie technisch schlichtweg nicht umsetzbar sei. Der Ausbau und die entsprechende Ertüchtigung der Bahntrasse zur Beseitigung des Kapazitätsengpasses im Fern- und Güterverkehr sehen die Fachleute des Bundesverkehrsministeriums kritisch, da das Fuldatal für die notwendige vierspurige Erweiterung viel zu eng sei.

„Ich freue mich, dass der solidarische Protest einer ganzen Region zum Erfolg geführt hat. Nun ist auch ganz offiziell klar: Der ICE-Trasse wird nicht so wie vom Bundesverkehrsministerium bislang geplant gebaut!“, verkündet der heimische Bundestagsabgeordnete Michael Roth nach einem ausführlichen Gespräch mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in Berlin.

„Die große Zahl der Unterschriften zeigt, dass die Argumente gegen die im ersten Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 vorgesehene Trassenvariante nachvollziehbar und mehr als stichhaltig sind“, erklärte der heimische Bundestagsabgeordnete Helmut Heiderich.

Nun gelte es aber, das weitere Vorgehen im Blick zu haben, sagte Michael Roth „Alle Verantwortlichen müssen aus den Fehlern der Vergangenheit lernen“, sagte er. Er mahnte in dem Gespräch ausdrücklich an, dass es für das weitere Planungsverfahren endlich klare Ansprechpartner und Verantwortlichkeiten geben müsse und das bisherige Schwarze-Peter-Spiel zwischen Bundesverkehrsministerium und Deutscher Bahn AG ein Ende haben müsse.

Nach Verabschiedung des Bundesverkehrswegeplans 2030 im Deutschen Bundestag sehen Roth und Dobrindt nun vor allem die Bahn als Vorhabenträgerin sowie das Land Hessen für das Raumordnungsverfahren in der Pflicht. Der konkrete Verlauf der Bahntrasse innerhalb des definierten Planungskorridors müsse in den kommenden Monaten in einem öffentlichen Dialogverfahren unter enger Einbindung von Kommunalpolitik, Bürgerinitiativen und Anwohnerschaft erfolgen. In Deutschland gebe es mittlerweile kein Schienenprojekt mehr, das ohne ein solches Dialogverfahren realisiert würde, so Dobrindt. „Ein solches Großprojekt kann nur gelingen, wenn die Kommunalpolitik und Bürgerschaft bei konkreten Planungen frühestmöglich eingebunden werden und mitwirken können“, fordert der SPD-Abgeordnete Roth. „Ich erwarte deshalb zeitnah eine erste Gesprächsrunde vor Ort unter der Beteiligung des Bundesverkehrsministeriums, der Bahn AG und des Landes Hessen. Mir gegenüber hat die Deutsche Bahn bereits ihre entsprechende Bereitschaft signalisiert.“

Minister Dobrindt wurde ebenfalls einen Brief von Ludwigsaus Bürgermeister Thomas Baumann übergeben. Er setzt sich entlang der Bahntrasse für einen aktiven Schallschutz für die Ortsteile Friedlos, Reilos und Mecklar ein. Dabei soll die B27-Ortsumgehung Friedlos in die Planungen eingebunden werden, die ebenfalls um vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 vorgesehen ist. (red/kai)

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