Bad Hersfelder Festspiele: Tatort-Darsteller spielt in „Krabat“ den Meister

Robert Joseph Bartl: Der dunkle Müller

Keine Kulisse: Schauspieler Robert Joseph Bartl an der Wiesenmühle in Neuenstein Raboldshausen. In der Inszenierung von „Krabat“ spielt er den Meister, der einen Pakt mit dem Tod geschlossen hat. Foto: Deppe

Bad Hersfeld/Raboldshausen. Robert Joseph Bartl steht in der Raboldshäuser Wiesenmühle und erzählt. Davon, was Menschen in grauer Vorzeit über die Müller gedacht haben, in deren Mühle oft noch nachts das Licht brannte und die wegen der Arbeit oft sonntags nicht in die Kirche gingen. „Die Müller galten immer als zwielichtig“, sagt Bartl.

Dass der 43-Jährige beim Ausflug in die Mühle mit den Betreibern sofort ins Fachsimpeln verfällt, kommt nicht von ungefähr. Akribisch bereitet der Schauspieler sich auf seine Rollen vor, ob als Gerichtsmediziner im Münchener Tatort oder als Meister in Joern Hinkels Krabat-Inszenierung in der Stiftsruine. Für den gebürtigen Bayer gehört es dazu, seiner Rolle eine eigene Biografie zu geben. Und so hat er eben in Vorbereitung auf die neue Festspielsaison vom schlechten Ruf der Müller gelernt.

Aber ist denn sein Meister im Krabat eine gute oder eine böse Figur? „Eine dunkle“, sagt Bartl, der eine solche Wertung gar nicht vornehmen möchte. „Wenn er nicht jedes Jahr einen Müllersjungen über die Klinge springen lässt, ist der Meister selbst dran“, sagt Bartl. Diese Zerrissenheit sei sein Einstieg in die Rolle gewesen, die für ihn zwei große Schwierigkeiten barg.

Wie beim Boxenstopp

Die vielen Kostümwechsel auf oft engem Raum forderten nicht nur den Schauspieler, sondern auch das Team hinter den Kulissen heraus. „Manchmal bleiben nur Sekunden, da muss jeder Handgriff sitzen wie beim Boxenstopp“, sagt Bartl, der ständig zwischen drei Verfallstadien und damit auch verschiedenen Outfits und sogar Gangarten wechseln muss.

Zudem sei er zunächst skeptisch gewesen, was die Arbeit mit Kindern anging. Dabei, gibt er zu, habe er anfangs große Zweifel gehabt, sei dann aber schon nach den ersten Proben eines Besseren belehrt worden. Der erfahrene Schauspieler stand dem Nachwuchs mit vielen Ratschlägen zur Seite und mahnte auch noch nach der gelungenen Premiere zur Konzentration und der stets korrekten Aussprache. Unbekannte Stolperfallen hätten sich aufgetan, etwa dann, wenn die syrischen Flüchtlinge unter den Schauspielern, die Ü-Laute erst hätten erlernen müssen.

Er selbst müsse immer aufpassen, eine alte Regel aus der Schauspielausbildung zu befolgen. „Ich muss exakt so viel meine Rolle sein, wie ich gleichzeitig Robert bleibe“, sagt er und führt als Beispiel eine Krabat-Szene an, in der er Ohrfeigen an die Müllersjungen verteilt. „Bin ich da zu sehr in der Rolle, könnte es passieren, dass ich richtig durchziehe. Bin ich zu sehr Robert, ziehe ich zurück“, erklärt er.

Größten Respekt hat Bartl, der bereits im vergangenen Jahr in Bad Hersfeld spielte, vor der historischen Spielstätte. „Nicht wegen irgendeiner Jahreszahl“, sagt er. Vielmehr seien nach Jahrhunderten voller kultischer Zeremonien die Steine mit Energie aufgeladen.

Jahrhunderte alt ist seiner Meinung nach auch der Müller. 732 Jahre alt sei der, auch wenn das in Otfried Preußlers Romanvorlage nicht geschrieben steht. „Aber ich glaube, der leidet schon wirklich sehr lange“, sagt Bartl. Das ist sein Teil der Biografie des Meisters. Er braucht das.

Von Lasse Deppe

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