Gedenkfeier an die Luftschlacht über dem Seulingswald am 27. September 1944

Zeichen der Versöhnung

Gedenken: Der frühere hessische Ministerpräsident und Bundesfinanzminister Hans Eichel (Mitte) war Hauptredner der Gedenkfeier an die Luftschlacht über dem Seulingswald am Mahnmal bei Friedlos. Foto:  nh

Friedlos. Zu einer Gedenkfeier an eine der verheerendsten Luftschlachten des 2. Weltkrieges haben sich am Wochenende etwa 300 Menschen im Seulingswald versammelt. Am 27. September 1944 kamen über dem Seulingswald bei Friedlos 118 amerikanische Flieger und 18 deutsche Piloten ums Leben, Hauptredner war der ehemalige hessische Ministerpräsident und Bundesfinanzminister Hans Eichel.

Bürgermeister Thomas Baumann freute sich, dass er auch den 94-jährigen Jagdflieger im 2. Weltkrieg Hans Horn aus Bebra und den Initiator dieser Fliegergedenkstätte, Walter Hassenpflug begrüßen konnte.

Dank an Initiatoren

In seiner Rede erinnerte Hans Eichel daran, dass es Hitler-Deutschland war, das damals den Krieg angefangen hatte. Es seien die Nazis gewesen, die an den Juden, Sinti und Roma Völkermord begingen. „Der Krieg ist ein mörderisches Handwerk, der entmenschlicht. Solche Denkmäler, wie hier im Seulingswald, setzten ein Zeichen der Versöhnung und gegen das Vergessen“, betonte Hans Eichel. Er dankte den Initiatoren, besonders Walter Hassenpflug aus Friedlos, die diese Gedenkstätte ins Leben gerufen haben.

Wilhelm Göbel, ehemaliger Oberst der Bundeswehr und ehrenamtlicher Referent für Geschichte, Tradition, Suchdienst und Archiv der Gemeinschaft der Flieger deutscher Streitkräfte, wies darauf hin, dass die Besatzungen der Bomber und Jagdflugzeuge überzeugt gewesen seien, für ihr Land zu kämpfen. Er verlor im 2. Weltkrieg sechs Verwandte, alle fielen in Russland, und sein Vater wurde bei Stalingrad schwer verletzt. Wilhelm Göbel lobte die große Hilfsbereitschaft der Amerikaner beim Wiederaufbau nach dem Krieg. Der Marshall Plan und die Care Pakete seien ihm unvergessen.

Gerald Pitman erinnerte als Vertreter der „Kassel Mission Historical Society“ (KMHS) daran, dass hinter jedem Namen auf den Steinen eine Geschichte von Trauer und Verlust stehe.

Erinnerung

Martin Brunotte, Sohn des im Luftkampf über dem Seulingswald umgekommenen deutschen Jagdfliegers Martin Brunotte, war mit seiner 94-jährigen Mutter gekommen. Sie war gerade mal 24 Jahre alt, als ihr Ehemann im Luftkampf starb. „Es ist die Aufgabe von uns Kindern und Hinterbliebenen, die Erinnerung wach zu halten und der nächsten Generation weiterzugeben“, betonte Brunotte. Friede sei nicht selbstverständlich, das zeigten die Entwicklungen in der Ukraine und im Nahen Osten.

Die Feierstunde wurde musikalisch begleitet von der GBO-Oldtimer-Big-Band unter der Leitung von Helgo Hahn, dem gemischten Chor des MGV Friedlos, Leitung ebenfalls Helgo Hahn, der Jagdhornbläsergruppe des Kreisjagdvereins Hersfeld und von Stabsunteroffizier d.R. Thomas Conrad mit Trompetensolos. Die Ehrenformation wurde von der Reservistenkameradschaft Bad Hersfeld gestellt. (red)

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