Neuensteiner Kirchengemeinden versammeln sich zur Lichterkette ums Gotteshaus

Ein Zeichen für den Frieden

Lichterkette in Obergeis: Nach einer gemeinsamen Andacht in der Kirche sammeln sich die Gläubigen um die Obergeiser Kirche, um ein Zeichen zu setzen für ein lebendiges Gemeindeleben, eine lichterfüllte Zukunft, für Frieden und Gerechtigkeit. Foto: Apel

Obergeis. Auf einmal kommen von überall Menschen her. Pfarrer Michael Zehender hat für den späten Sonntagnachmittag zum Beisammensein rund um die Obergeiser Kirche eingeladen. Um mit einer Lichterkette Zeichen zu setzen für Frieden, Gerechtigkeit und ein respektvolles Miteinander in der großen und kleinen Welt. Und für die Lebendigkeit seiner neuen, großen Kirchengemeinde.

Die Kindergartenkinder Alyssa Jayne Theysohn und Fabian Walter sind schon ganz aufgeregt. Mit weiteren Jungen und Mädchen wollen sie in der Kirche Lieder singen. Auch Kirchenvorstandsmitglied Gerhard Usener, der nach 50-jähriger Tätigkeit bei der Post seit einem Jahr im (Un-)Ruhestand ist, freut sich: „Der heutige Tag ist ein Highlight für mich. Einfach toll, dass sich so viele Vereine engagieren und uns bei unserer Aktion unterstützen!“ Enya und Mika Apel verspeisen schnell noch eine Bockwurst und verschwinden dann mit Mama Nathalie im ersten Stock des Gotteshauses. Dort bastelt Kindergottesdienstmitarbeiterin Martina Förster mit Tochter Anna und Helena Schade kleine Laternen.

Kurz vor fünf fängt der von Wilfried Olschewski geleitete Obergeiser Posaunenchor an zu spielen. Bei seinen schönen Stücken geht um das „Senfkorn Hoffnung“ und den, „Der Frieden gibt in der Höhe“. Zehender begrüßt alle und lädt ein zum Mitmachen. Westfälisch-sympathisch kokettiert er: „Wem es warm ums Herz wird, dem empfehle ich kalte Getränke von den Kirmesburschen, woll!“

Dann singen die Kindergartenkinder. Es geht ums Zunicken und Zulächeln und um das Symbol des Kindergartens, den Regenbogen. Jugendpflegerin Lydia Wagner stellt sich vor und beim obligatorischen Kanon lässt sie die Kirchenbesucher aufstehen und sich setzen, winken und trampeln. Fast alle machen begeistert mit. Schließlich sind die von Lea Müller angeleiteten Jungbläser und die „mittleren“ Jungbläser dran, und beim großen Posaunenbläserfinale bläst alles, was blasen kann: „Lobt Gott getrost mit Singen!“ Der Chor des Heimat- und Trachtenvereins hat sogar noch etwas Neues auf Lager: „Wir sind das Licht in dieser Welt!“

Derart eingestimmt bestaunen die vielen Hundert Besucher im Anschluss daran auf der von Feuerwehr und DRK abgesicherten Straße, wie die Konfirmanden Feuer speien –und wie die Pfarrer Zehender und Florian Wagner es ihnen nachtun und symbolisch die alten Kirchspiele zu einem neuen großen vereinen. Minna Dippel und Anna Häckel, zwei schon etwas ältere Damen, sind begeistert: „Wunderbar! Das ist unser Pfarrer! Bei dem sind die Gottesdienste voll! Der hat Ideen!“

Als hätte er es gehört, ruft Zehender dazu auf, es ihm und Pröpstin Sabine Kropf-Brandau nachzutun, mit dem auf dem Altar aufbewahrten Licht von Bethlehem die ausgegebenen Fackeln zu entzünden und rund um die Kirche eine Lichterkette zu bilden: „Als Zeichen für ein lebendiges Gemeindeleben und eine lichterfüllte Zukunft, als Zeichen für Frieden und Gerechtigkeit, aber auch dafür, dass wir die zu uns kommenden Flüchtlinge mit offenem Herzen empfangen!“ Als der Kreis geschlossen ist, läuten die Glocken. Unter dem tiefblauen Himmel wird es dunkel, aber in den Herzen ist es hell.

Von Wilfried Apel

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