Dritter Erzählabend in Gittersdorf zum Thema Hausschlachtung war gut besucht

In den Wurstehimmel

Wie es früher beim Schlachten war, wusste „Hesse Hans“ zu erzählen.

Gittersdorf. Vom Schwein zum Wurstehimmel – Hausschlachtung in unserem Dorf: So lautete das Motto des dritten Erzählabends, zu dem der Heimatverein Gittersdorf ins örtliche Dorfgemeinschaftshaus eingeladen hatte. Nahezu 60 Besucher wollten die früheren Zeiten in Gittersdorf aufleben lassen. „Hier sieht man mal wieder, wie groß das Interesse an der „guten, alten Zeit“ und vielleicht auch am Thema Essen doch ist“, freuten sich die Veranstalter vom Heimatverein.

Der erste Erzähler an diesem Abend war „Hesse Hans“, ein „Gitterschdörfer“ der auf fast 60 Jahre Schlachterfahrung zurückblicken kann. Er erzählte an diesem Abend so manche Anekdote und brachte natürlich auch viel Handwerkszeug, wie einen alten Schussapparat, eine Molle, eine Knochensäge, ein Hackbeil, Schrappschellen und eine Stopfmaschine mit. Was man damit machte, wurde den Zuhörern genauestens erklärt , denn es waren auch viele jüngere Zuhörer anwesend, die die Hausschlachtung auf dem Bauernhof gar nicht mehr kennen. Die Erzählabende sollen unter anderem dazu beitragen, diese alten Traditionen an junge Leute weiterzugeben.

Um das Ganze noch besser nachvollziehbar zu machen, wurde ein Film, der in den frühen 90er Jahren auf seinem Hof „beim Schlachten“ gedreht wurde, gezeigt. Hier konnten die Besucher sich ein Bild machen von dem nicht immer schönen Weg des Schweines in den Wurstehimmel. Alle Stationen, sogar der Besuch des Amtstierarztes, wurden dokumentiert.

Fast alle der damals beim Schlachten beteiligten Helfer waren an dem Erzählabend anwesend und machten unter anderem deutlich, was es doch für eine körperliche Arbeit und auch für ein Zeitaufwand war, ein Schwein zu schlachten.

Der einzige „Lohn“, den man als Helfer damals erntete, war abends ein ausgiebiger Schlachtekohl, wo die deftigen Produkte wie Gehacktes, Bratwurst, Blut- und Leberwurst, Wellfleisch und Schwartemagen zusammen mit Bier und Korn gereicht wurden und man den Tag nochmal Revue passieren lies.

Viele der Anwesenden erzählten nach der Filmvorführung Geschichten aus ihrer Zeit. Besonders interessant war die des ehemaligen Schreiners A. Ickler. Er erzählte, dass sein Großvater das Decken des Daches seiner großen Scheune mit einem Schwein „bezahlte“, das waren damals etwa 650 Mark. Hier sieht man, was die Landwirtschaft und auch Lebensmittel damals noch für eine Wertigkeit hatten, denn 650 Mark waren eine Menge Geld, für viele weit mehr als ein Monatslohn.

Um auch die Gäste ein wenig in den Genuss eines Schlachtefestes zu bringen, wurden kleine Schmeckewöhlerchen, wie leicht geräucherte Bratwurst und Schwartemagen zusammen mit einem „Klaren“ gereicht. Ferner gab es erstmals ein Bier aus der Nachbarregion Eschwege, um auch hier den Gedanken der Heimat und der Regionalität aufzugreifen. (red/zac)

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