Der SPD-Politiker und Ex-Bundestagsabgeordnete Berthold Wittich wird heute 80 Jahre alt

Die Welt verbessern

Der langjährige SPD-Politiker Berthold Wittich vertrat zwölf Jahre lang die Interessen der Region als Bundestagsabgeordneter. Heute feiert er seinen 80. Geburtstag. Foto: Apel

FRIEDLOS. Seit einigen Jahren geht er jeden Tag etwa eine Stunde lang spazieren. Des Öfteren ist er mit seiner Ehefrau Irmhild auch radfahrenderweise unterwegs. Und immer ist die Freude groß, wenn Berthold Wittich rund um Friedlos alte Schüler oder andere ihm bekannte Menschen trifft.

Dabei ist der langjährige SPD-Politiker und frühere Bundestagsabgeordnete, der heute 80 Jahre alt wird, nie „Radfahrer“ gewesen. Schon früh hat er sich für Politik interessiert, schon 1956 ist er in die SPD eingetreten. Relativ spät jedoch ist er von seiner Partei als Bundestagskandidat nominiert worden.

Distanz zu den Großen

Rückblickend sagt er: „Ich wusste, was ich wollte, als ich mit 53 Jahren nach Bonn gewählt wurde.“ Und ein bisschen Stolz klingt mit, wenn er betont: „Ich habe Distanz zu den Großen gewahrt und den Vorhaben meiner eigenen Fraktion nicht immer Folge geleistet.“ Beispielsweise bei dem mit den Regierungsfraktionen abgestimmten Gesetzespaket, das den „Großen Lauschangriff“ auf Journalisten und andere Berufsgruppen erleichterte und dessen Regelungen vom Bundesverfassungsgericht später eingeschränkt wurden.

Sein großes Vorbild war Willy Brandt, auch wenn es der damalige Hersfelder Wahlkreisabgeordnete und „Kronjurist“ der SPD, Dr. Adolf Arndt, war, der Wittich für die SPD begeisterte. „Ich wollte die Welt schon ein bisschen verändern“, erklärt der nach wie vor mit vollem, dunklen Haar Gesegnete und nach Einschätzung seines Arztes „topfit“ Gebliebene rückblickend. Dankbarkeit schwingt mit, wenn er an Winterwahlkampf vor Fabriktoren, morgens um 5 Uhr bei minus 22 Grad, erinnert: „Das gehörte einfach dazu, und es wäre ohne all die vielen Ortsvereinsmitglieder nicht möglich gewesen.“

Bescheidene Verhältnisse

Aus bescheidenen Verhältnissen stammend, mit harter körperlicher Arbeit auf Bauernhöfen, über und unter Tage erwachsen geworden, waren ihm Bildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für Kinder aus allen gesellschaftlichen Schichten ein Herzensanliegen. Insoweit gilt er bis heute als „Linker“, und insoweit hört er es gern, wenn ihm Genossen mit Blick auf heftige schulpolitische Auseinandersetzungen im Kreistag sagen: „Als Du nach vorne gingst, ging’s rund.“ Mit seinem Bundestagskontrahenten von der CDU, dem nur unwesentlich jüngeren Melsunger Wilfried Böhm, verband ihn gleichwohl ein gutes menschliches Verhältnis: „Wir haben den Wahlkampf nicht im Festzelt fortgeführt.“

Armut und Reichtum

Mit Blick auf eine mögliche Regierungsbeteiligung der SPD, mit deren Weg er nicht immer einverstanden war, schwebt ihm vor Augen, dass man sich am sozialdemokratischen Kern orientieren und im Einklang mit dem Sozialwort der Kirchen nicht nur Armut, sondern auch Reichtum zum Thema machen sollte. Er selbst sieht sich allerdings nicht mehr im Rampenlicht. Viel lieber ist er mit seiner Irmhild unterwegs. „Sie hält unseren Clan zusammen, sie kann auf Menschen zugehen.“ Aber das gilt auch für ihn, den alten Lehrer und Menschenfreund.

Von Wilfried Apel

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