Mecklar feiert Inbetriebnahme des Hochbehälters vor 100 Jahren

Wasser marsch!

Ein Hoch auf den Hochbehälter: Mit einer Bottle-und-Glühwein-Party mit Bratwurst und Fettenbrot feierten knapp 50 Mecklarer ihr vor 100 Jahren errichtetes, erstes „Wasserbassin“. Stolz verweist Ortsvorsteher Wilfried Leiter (hinten links neben der Eingangstür) auf das noch gut erhaltene Gebäude, das seit gut 40 Jahren nur noch als „Rückhaltebecken“ für eine eiserne Wasserreserve für Feuerlöschzwecke dient. Fotos: Apel

Mecklar. Man muss die Feste feiern wie sie fallen, dachte sich Ortsvorsteher Wilfried Leiter. Gerade noch rechtzeitig vor Silvester lud er auf Anregung von „Holzwurm“ Gerhard Kauer zur Bottle-und-Glühwein-Party anlässlich der vor 100 Jahren erfolgten Inbetriebnahme des alten Mecklarer Hochbehälters ein.

Natürlich vor Ort, denn das hoch über der alten Höhle, sinnigerweise in der Gemarkung „In der Delle“ gelegene, alte „Wasserbassin“, wie es im „Gänsedorf“ noch immer genannt wird, ist den Dorfbewohnern ans Herz gewachsen. „Hier oben haben wir unsere selbst gebauten Drachen steigen lassen!“, erzählen Ellenbergersch Karl, Kranzen Hein und Dennerts Hans. Sie gehören am Samstagnachmittag zu den Ältesten, die es sich rund um das vergleichsweise gut erhaltene Dorfdenkmal gemütlich gemacht haben. „Leider ist niemand mehr da, der uns aus erster Hand berichten könnte, wie es war, als alle Mecklarer Häuser an eine Wasserleitung angeschlossen wurden“, erklärt Leiter vor knapp 50 Vorbeischauenden. Er bezieht sich in seiner Ansprache auf noch vorhandene Baupläne, und augenzwinkernd fügt er hinzu, dass sich die Mecklarer mit dem Bau ihrer zentralen Wasserversorgungsanlage in jahrzehntelange Meckbacher Abhängigkeit begeben hätten. Auf Meckbacher Gemarkung nämlich lag die Umbach-Quelle, die bestes Waldquellwasser lieferte, das unter Ausnutzung natürlichen Gefälles bis nach Mecklar geleitet wurde. Wie aus späteren Vermerken des letzten Mecklarer Bürgermeisters Heinrich Zilch ersichtlich ist, schüttete die Umbach-Quelle 1913 durchschnittlich 57,5 Kubikmeter Wasser. Da sich der Bedarf der Mecklarer pro Tag aber nur auf etwa 42,5 Kubikmeter belief, konnten Spitzen ohne weiteres abgefangen und für den Fall des Falles auch Reserven für Feuerlöscheinsätze gebildet werden. Noch heute ist auf alten Emaille-Schildern im Inneren des Hochbehälters abzulesen, wo sich die auf ein Fassungsvermögen von 60 Kubikmeter ausgelegte „Kammer für Hauswirtschaftszwecke“ und die 40 Kubikmeter große „Kammer für Feuerlöschzwecke“, die bis jetzt als zusätzliche Löschwasserreserve für das Baugebiet Roter Rain/Am Hochbaum in Betrieb gehalten wird, befinden. Und was bei Brandausbruch zu tun ist: „Der Brandschieber ist zu öffnen und nach dem Löschen sofort zu schließen und zu plombieren.“

Von Wilfried Apel

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