Plädoyers im Prozess zur Bluttat von Neuenstein

Vier Jahre Haft oder Freispruch?

In einer Ferienwohnung in diesem Haus in Neuenstein-Saasen ereignete sich im März das Verbrechen. Foto: Archiv/Reymond

Neuenstein Im Prozess gegen einen 25-Jährigen aus Neuenstein vor dem Landgericht Fulda ist einiges unklar geblieben. Staatsanwalt Stephan Müller-Odenwald beantragte gestern eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung zu vier Jahren Haft. Verteidiger Jochen Kreissl beantragte Freispruch.

Drei Männer hatten sich m März dieses Jahres in einer kleinen Wohnung in Neuenstein-Saasen getroffen. Zwei Männer, der heutige Angeklagte und sein 39 Jahre altes, späteres Opfer, tranken viel Alkohol. Dann gab es offenbar Streit. Sicher sei das nicht.

Fast vier Promille

Müller-Odenwald zeigte sich überzeugt, dass der Angeklagte sich in der Küche ein Messer holte und sich dann im Wohnzimmer auf ein Sofa neben das spätere Opfer setzte. Der Angeklagte habe wohl keinen Tötungsvorsatz gehabt, sondern in einem spontanen, unkontrollierten Gefühlsausbruch auf seinen Bekannten eingestochen. Es habe vorher kein Kampfgeschehen gegeben, sondern nur einen unkontrollierten Stich. Der Angeklagte habe sich einer gefährlichen Körperverletzung im Zustand verminderter Schuldfähigkeit schuldig gemacht – wegen einer Alkoholisierung von 2,24 bis 3,85 Promille zur Tatzeit.

Der Angeklagte habe sein Bedauern geäußert und sei nicht vorbestraft, doch müsse man auch die schweren Folgen sehen, sagte der Staatsanwalt: Der Messerstich habe das Herz nur um Millimeter verfehlt. Die Lunge sei schwer geschädigt worden. Deshalb beantrage er eine Verurteilung zu vier Jahren Haft.

„Wenig geklärt“

Verteidiger Jochen Kreissl sagte, die Verhandlung habe wenig klären können. Der Tatort, der Tatablauf und selbst das Tatwerkzeug seien nicht ganz sicher. Man kenne zwar die Verletzungen des Opfers, könne aber nichts zum Stichkanal und zur Wucht des Stichs sagen. Auch ein Motiv sei nicht klar. Angesichts der Spurenlage sei es nicht ausgeschlossen, dass auch eine andere Person die Tat begangen habe. Deshalb beantrage er Freispruch.

Wenn aber sein Mandant die Tat begangen habe, dann habe er sicher nicht in Tötungsabsicht gehandelt, erklärte Kreissl. Ein Versehen oder eine Fahrlässigkeit seien denkbar. Wenn die Erste Strafkammer aber überzeugt sei, dass der Angeklagte der Täter sei, beantrage er eine Verurteilung wegen gefährlicher Köperverletzung unter verminderter Schuldfähigkeit und eine angemessene Freiheitsstrafe. Einen konkreten Antrag stellte er für diesen Fall nicht.

Der Angeklagte sagte in seinem letzten Wort, er könne sich an nichts erinnern. Sicher sei, dass er niemandem schaden wolle. Er bedaure, was vorgefallen sei. Das Landgericht spricht sein Urteil in der nächsten Woche. (vn)

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