Peter Vollmer begeistert mit seinem Kabarettprogramm auf Schloss Neuenstein

Der Vibrator kann nicht mähen

Der Kabarettist Peter Vollmer. Foto: Apel

SAASEN. Auch dann, wenn „Männer zu sehr 40 werden“, und wenn es in deutschen Schlafzimmern nicht mehr heiß hergeht, kann es noch heiß werden. Insbesondere dann, wenn zum Ausklang des „Tages des offenen Denkmals“ im Rittersaal von Schloss Neuenstein Kleinkunst serviert wird und wenn der Protagonist Peter Vollmer heißt.

„Der Abend wird als Hitzeschlacht von Neuenstein in die Geschichte eingehen!“, resümiert der im hessischen Hohenahr-Erda geborene und in Köln-Nippes lebende Künstler nicht ganz zu Unrecht nach der zweiten Zugabe seines nicht enden sollenden Auftritts. Oder ist es die dritte? Das Publikum ist begeistert von dem, was „Mann“ so alles erlebt, wenn „er“ die 40 überschreitet. Denn natürlich geht es bei Vollmers durchgehend spritzig daherkommendem „Best-of-Programm“ erst einmal und vor allem um „ihn“, und da können alle in der bis auf den letzten Platz besetzten guten und dementsprechend heißen Stube der Knüllgemeinde mitreden.

Diktatur des Vegetariats

Und mitfühlen, wenn er von emanzipierten Frauen erzählt, die der Meinung sind: „Vibratoren schnarchen nicht.“ Des Künstlers Kontra: „Vibratoren können keinen Rasen mähen.“ Jeder projiziert es auf sich, wenn Vollmer von seinen abschreckenden Nordic-Walking- und Volkslauf-Aktivitäten berichtet, die gesundheitsfördernde Wirkung von Dinkelbrötchen in Frage stellt und angesichts der „Diktatur des Vegetariats“ in Köln-Nippes meint: „Lieber ahle Worscht als Tofu-Aufstrich!“ Da ist der Nordhesse Experte, da kann er ohne weiteres nachvollziehen, dass der mit sechs Kabarettpreisen ausgezeichnete Schnellsprecher nach Ausbruch der EHEC-Epidemie die schönste Zeit seines Lebens erlebte: „Sprossen waren Sondermüll, es herrschte die Schweinshaxe!“

Natürlich erzählt Vollmer auch noch Geschichten aus der WG-Zeit: Zum Beispiel davon, was er mit Hermann, dem im Gemeinschaftskühlschrank mit Hingabe gepflegten Hefeteig und den von ihm abstammenden Kuchen („Die sahen nicht gut aus!“) erlebte. Und er denkt – dem Alter geschuldet – darüber nach, wie man sich ökologisch sinnvoll begraben lassen kann. In einem ökologisch abbaubaren Sarg? Oder doch lieber mit Handy, damit man nicht lebendig begraben wird, wie es ihm in nächtlichen Albträumen immer wieder vor Augen flimmert?

Songs fürs Wartezimmer

Bei Peter Vollmer bleibt kein Auge trocken. Erst recht nicht, wenn er über Politiker und Ärzte herzieht und mit seiner Gitarre mit seinem Publikum Lieder fürs Wartezimmer einübt: Pumpt denn der alte Herzmuskel noch… – Herzilein, du darfst nicht schwächlich sein… – Meine Oma liegt in Bottrop in der Reha… Als Zugabe gibt es den vom Hans-Albers-Film „Große Freiheit“ inspirierten Song „Auf dem Männerklo nachts um halb zehn!“ Der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen sei Dank dafür, dass sie einen herrlich heißen Abend ermöglicht hat.

Von Wilfried Apel

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