Fördergeld für Dorferneuerung überreicht: Erstes derartiges Projekt in Großgemeinde

Versuchslabor Ludwigsau

Mit Geld und Stracke gut gestärkt für die Herkulesaufgabe: Torsten Warnecke, Dr. Karl-Ernst Schmidt, Thomas Baumann und Peter Schütrumpf (von links) bei der Bescheidübergabe. Foto: nh

Ludwigsau. Gemeinhin freut man sich, wenn man etwas geschenkt bekommt. Doch bei Bürgermeister Thomas Baumann wollte nicht so recht Freude aufkommen, als gestern in Ludwigsau der Startschuss zur Dorferneuerung fiel. Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt überbrachte den ersten Bewilligungsbescheid des Landes in Höhe von 45 420 Euro, mit dem ein integriertes kommunales Entwicklungskonzept (IKEK) finanziert werden soll.

Jede Menge Arbeit

Baumanns zurückhaltende Reaktion erklärt sich aus den Änderungen beim Dorferneuerungsprogramm. Künftig werden nur noch ganze Gemeinden und nicht mehr einzelne Ortsteile gefördert. Das bedeutet einen gewaltigen Organisationsaufwand, um alle Wünsche, speziell in einer Großgemeinde wie Ludwigsau mit 13 Ortsteilen, unter einen Hut zu bringen.

„Wir werden zu einem Experimentierfeld“, sagte Baumann, weil das Land beim Umsetzen des Programms bisher noch keine Erfahrungen mit Großgemeinden habe. Baumann indes kann auf seine Erfahrungen aus vier vorherigen, damals noch Ortsteil bezogenen, Dorferneuerungen bauen kann – die waren freilich nicht nur positiv. „Anfangs war das alles noch als Zuwendungsprogramm erkennbar, doch später wurden die Entscheidungen zunehmen in Wiesbaden und nicht mehr in den Gemeinden getroffen“, kritisierte der Bürgermeister.

Wegen des Organisationsaufwands rechnet er mit einer langen Vorlaufphase von bis zu eineinhalb Jahren, bevor überhaupt konkrete Ziele vorliegen. Vermutlich wird die Gemeinde auf die Förderungen von zentrale Projekten setzen, die allen Einwohnern zu Gute kommen. Zudem müssen die Projekte kofinanziert werden.

Investition 1,5 Millionen Euro

Bei einem Gesamtinvestitionsrahmen von 1,5 Millionen Euro bleibt trotz Förderquote von 75 Prozent immer noch eine stattliche Summe für die klamme Gemeindekasse übrig.

Ganz so düster wie der Bürgermeister wollte Landrat Dr. Schmidt das Programm aber nicht sehen. Gerade für große Gemeinden biete das Programm auch große Chancen, weil es nicht mehr so lange dauere bis alle Ortsteile aufgenommen werden können. Allerdings räumte auch Schmidt ein, dass der Organisationsaufwand hoch sei.

Auch der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Peter Schütrumpf, zeigte sich optimistisch: „Das Dorferneuerungsprogramm wurde uns ja nicht aufgezwungen, aber wir sind uns der Herkules-Aufgabe bewusst, die auf uns zukommt.“

„Zu wenig flexibel“

Der SPD-Landtagsabgeordnete Torsten Warnecke erinnerte an die lange Auseinandersetzung um die Neuordnung der Dorferneuerung im Landtag und kritisierte die zu bürokratische Vergabe von Fördergeld. An Verbesserungen dieses Systems wird Warnecke künftig selbst mitarbeiten können, denn er sitzt neuerdings im zuständigen Ausschuss für Dorferneuerung im Landtag. Doch bis es soweit ist, braucht Ludwigsau noch eine Menge Kraft für die Herkulesaufgabe. Zur Stärkung überreichte Warnecke deshalb eine Stracke.

Von Kai A. Struthoff

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