Variantenprüfung für Stromtrasse – Netzbetreiber-Aussagen irritieren Bürgermeister

Trassenverlauf völlig offen

Ziel der neuen 380-kV-Leitung: Das Umspannwerk in Mecklar soll zum Knotenpunkt mehrerer Stromtrassen werden. Archivfoto: Eyert

Ludwigsau. Die Trassenführung für die geplante 380-kV-Hochspannungsleitung zum Umspannwerk Mecklar beschäftigt auch weiterhin die Gemeindepolitik von Ludwigsau. Vom Netzbetreiber TenneT werden jetzt neben der im Raumordnungsverfahren ausgearbeiteten ortsnahen Trasse im Bereich Ludwigsau mehrere Varianten über dem Wald und im Bereich der Mühlbachkurve geprüft. Für die sogenannte Waldtangente hatte sich die Gemeinde Ludwigsau ausgesprochen.

Mit der Prüfung der zusätzlichen Varianten solle den Belangen der Gemeinde Ludwigsau Rechnung getragen werden, sagte TenneT-Sprecher Markus Lieberknecht. Die Trassenvarianten würden anhand umfassender Kriterien hinsichtlich der Verträglichkeit für Mensch und Umwelt überprüft, sagte Lieberknecht. Bei einem runden Tisch Mitte August mit Vertretern des Landkreises und der betroffenen Gemeinden, von Forst und Landwirtschaft seien Bedenken vorgebracht worden, die in die Prüfung einbezogen werden sollen. In das Planfeststellungsverfahren, das TenneT 2013 abschließen will, werde zwar nur eine Trassenvariante, aber alle Prüfungsergebnisse eingebracht.

„Vollkommen konträr“

Ludwigsaus Bürgermeister Thomas Baumann sieht das Ergebnis des runden Tisches kritischer: Die dort von TenneT vorgelegten Fakten seien „vollkommen konträr“ zum bisherigen Kenntnisstand. Neu sei unter anderem, dass die Bahnstromleitung und 380-kV-Leitung laut TenneT nun doch zusammengelegt werden könnten. Für den Raum Ersrode-Hainrode sei derzeit die Führung auf einem Gestänge vorgesehen, dazu müsse ein neues Erdkabel gezogen werden. Dafür sei nach neuesten TenneT-Aussagen ebenso wenig ein Planfeststellungsverfahren nötig, wie für die Verschwenkung einer bereits planfestgestellten Leitung.

Eine Region von Leitungen

Ohnehin werde Waldhessen wohl eine Region der Leitungen, sagt Baumann. Denn neben der Verbindung Wahle-Mecklar sei im Netzentwicklungsplan eine Leitung Mecklar-Grafenrheinfeld sowie Mecklar Vieselbach vorgesehen. Baumann habe beim runden Tisch deutlich gemacht, dass im Raum Mecklar kein Raum mehr für zusätzliche überirdische Leitungen und nur begrenzt für Erdkabel frei sei.

Bisher habe TenneT kommuniziert, dass das Umspannwerk Mecklar zur Anbindung des geplanten Dampfturbinenkraftwerkes umgebaut werden müsse. Nun solle das Umspannwerk für die zusätzlichen Leitungen umgerüstet werden. Baumann geht davon aus, dass das Umspannwerk dafür stark erweitert werden müsse.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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