Tanner Hof: Nun kommen doch keine jugendlichen Flüchtlinge

Wird Asylunterkunft: In den Tanner Hof in Ludwigsau sollen noch im November bis zu 21 Flüchtlinge ziehen. Archivoto: Struthoff

Ludwigsau. Der Tanner Hof in der Rohrbacher Straße in Ludwigsau-Tann soll nun doch nicht zur Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen genutzt werden.

Das erklärte Sozialdezernentin Elke Künholz auf Anfrage unserer Zeitung. Hauptgrund dafür ist, dass der Kreis nicht so viele Flüchtlinge dieser Altergruppe aufnehmen muss, wie angenommen.

„Wir gingen davon aus, dass der Kreis bis zum Jahresende mehr als 100 junge unbegleitete Flüchtlinge zugewiesen bekommt, aber inzwischen wurden sie offenbar anderweitig untergebracht“, berichtet Künholz. Hinzu komme, dass es schwierig sei, einen unabhängigen Träger für die Betreuung zu finden, wie er laut Jugendhilfegesetz vorgeschrieben ist. Zwar habe man entsprechende Gespräche über den Tanner Hof mit der Stiftung Beiserhaus geführt, doch der Träger habe sich letztlich anders entschieden.

Nun sollen laut Künholz doch wieder erwachsene Flüchtlinge und Familien im Tanner Hof eine Unterkunft finden. Ursprünglich hatte der Kreis angekündigt, dass dort bis zu 21 Personen unterkommen könnten. Nach Auskunft von Elke Künholz läuft derzeit die Anmietung des Gasthofes. Zudem werde ein Caterer für die Versorgung der Menschen gesucht.

Über einen genauen Zeitpunkt, wann Flüchtlinge in den Tanner Hof ziehen werden, kann die Sozialdezernentin noch keine Auskunft geben. „Das Hin und Her ist für alle unschön“, räumt Künholz ein, allerdings könne der Kreis nur auf die Ankündigungen von Zuweisungen reagieren.

Nach Informationen unserer Zeitung hatte die Nachricht, wonach minderjährige unbegleitete Jugendliche in den Gasthof ziehen sollen, in Ludwigsau für erhebliche Unruhe gesorgt. Einige Mitbürger befürchten offenbar, dass Jugendliche besondere Probleme verursachen könnten.

Nach Auskunft von Elke Künholz gibt es dafür allerdings überhaupt keine Indizien. Die meisten jungen Flüchtlinge wären froh, endlich in Sicherheit zu sein und wollten vor allem die Sprache lernen und eine Ausbildung machen.

Hohe gesetzliche Hürden

Allerdings stellt das Jugendhilfegesetz hohe Hürden vor die Unterbringung dieser besonders schutzbedürftigen Gruppe. So müssen die jungen Leute je nach Alter zum Teil rund um die Uhr von pädagogischen Fachkräften betreut werden. Zudem müssen Einzelzimmer, Gruppenräume, Außenfläche und Rückzugsräume für die teilweise traumatisierten jungen Menschen zur Verfügung sehen, erläutert Künholz.

Da nun aber offenbar doch nicht so viele Flüchtlinge dieser Gruppe in den Kreis kommen, sei ihre Betreuung durch den Kreis zu leisten. So laufe beispielsweise die Unterbringung in der Villa Phantasia in Oberstoppel sehr gut.

Von Kai A. Struthoff

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