Zusätzliche Nord-Süd-Windstromautobahn könnte durch den Kreis laufen

Super-Stromkreuz Mecklar

Hoch über dem Mecklarer Silberberg verläuft die bereits bestehende und in Richtung Bebra führende 380-kV-Leitung.

MECKLAR. Wird Mecklar zu einem der bedeutendsten Stromkreuze in der Mitte Deutschlands? Wenn der am Mittwoch in Berlin vorgelegte Netzentwicklungsplan (NEP) der vier großen deutschen Übertragungsnetzbetreiber gesetzlich festgeschrieben und bis 2022 realisiert wird, verlaufen auf jeden Fall zwei der vier neuen Korridore, durch die Windstrom von Nord nach Süd transportiert wird, durch Hessen. Einer durch Westhessen und einer durch Osthessen. Der, der hier „durchgehen“ soll, schneidet zumindest auf dem Kartenmaterial den Großraum Mecklar. Dies würde die Möglichkeit eröffnen, die entsprechenden Leitungen an das Umspannwerk Mecklar anzuschließen.

In dem am Mittwoch von den vier Netzbetreibern TenneT, Amprion, 50Hertz und TransnetBW vorgelegten Plan ist auf insgesamt 312 Seiten dargestellt, wie sich die Gesellschaften den Ausbau des Stromnetzes im Zuge der Energiewende vorstellen: Bis 2022 sollen bis zu 3800 Kilometer Trassen neu gebaut und weitere 4400 Kilometer sollen im bestehenden Höchstspannungsnetz optimiert werden. Kostenpunkt: rund 20 Milliarden Euro.

Neu: Gleichstromübertragung

TenneT: Leitungsführung noch völlig offen

Neben kürzeren Abschnitten sind vor allem vier große, mehrere hundert Kilometer lange „Stromautobahnen“ geplant. Sie sollen von Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt quer durch Deutschland in Richtung Bayern und Baden-Württemberg verlaufen. Auf 2100 der 3800 Neubau-Kilometern soll zum ersten Mal in Deutschland im großen Stil die HGÜ-Technik (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) angewendet werden. Bei ihr fließt der Strom nur in eine Richtung, sodass sehr viel mehr Strom als bei der konventionellen Wechselstromtechnik transportiert werden kann: bis zu 2 Gigawatt (GW).

Geplante Trassen

So sollen die Trassen nach dem Leitszenario „B 2022“ verlaufen:

Korridor A: Von Emden in Niedersachsen nach Osterath in Nordrhein-Westfalen und von dort weiter nach Philippsburg in Baden-Württemberg (1 x 2 GW)

Korridor B: Von Wehrendorf in Niedersachsen nach Urberach in Hessen (1x 2 GW)

Korridor C: Verbindung 05: Von Brunsbüttel in Schleswig-Holstein über den Großraum Mecklar nach Großgartach bei Heilbronn in Baden-Württemberg (1x oder 2x 1,3 GW)

Im Korridor der HGÜ-Strecke Brunsbüttel-Großgartach sind weitere HGÜ-Verbindungen geplant:

Verbindung 06: Von Wilster in Schleswig-Holstein nach Goldshöfe bei Aalen in Baden-Württemberg (1x oder 2x 1,3 GW)

Verbindung 07: Von Kaltenkirchen in Schleswig-Holstein nach Grafenrheinfeld bei Schweinfurt in Bayern (1x1,3 GW).

Verbindung 08: Von Kaltenkirchen nach Raitersaich bei Nürnberg (1x 1,3 GW).

Verbindung 13: Von Stade in Niedersachsen nach Raitersaich bei Nürnberg (2 GW).

Verbindung 14: Von Alfstedt in Niedersachsen nach Vöhringen bei Augsburg (2 GW).

Korridor D: Von Lauchstädt in Sachsen-Anhalt nach Meitingen in Bayern.

Von Wilfried Apel

Kommentare