Bürgerinitiative Neuenstein informierte

Suedlink kann alle treffen

Größenvergleich: Die geplanten Strommasten für die 500000-Volt-Leitung der Suedlink-Trasse würden den Turm der Obergeiser Kirche und den von Schloss Neuenstein weit überragen, machte Dr. Lars Niebel, der Vorsitzende der Bürgerinitiative Lebensqualität Neuenstein deutlich. Foto: Zacharias

Obergeis. Wie eine Krake, der ständig neue Arme nachwachsen, kommt das Netzbetreiber-Unternehmen Tennet den Menschen in der Region vor. Den Eindruck konnte man bei der zweiten gut besuchten Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative Lebensqualität Neuenstein zur geplanten Gleichstromtrasse Suedlink in der Mehrzweckhalle in Obergeis gewinnen.

„Es gibt permanent Veränderungen“, stellte Bürgermeister Walter Glänzer fest. Er ist inzwischen, wie die meisten Bürgermeister in Hessen, davon überzeugt, dass Diskussionen mit der Bundesnetzagentur und Tennet keinen Sinn haben und will dem Parlament vorschlagen, den Klageweg zu beschreiten.

Tennet habe weitere Trassenvarianten vorgelegt, erklärte Dr. Lars Niebel, der Vorsitzende der Bürgerinitiative. Dabei werde deutlich, dass die Trasse alle Neuensteiner treffen könne, denn es gebe nun auch Varianten, die über Gittersdorf und Untergeis führten. Die Varianten seien im Internet nachzulesen.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um den geplanten Bau der Suedlink-Stromtrasse.

? Was kommt auf die Menschen in der Region zu?

!Die Strommasten für die 500 000-Volt-Gleichstromleitung werden etwa 60 Meter hoch und 40 Meter breit sein. In Tälern und Bodensenken auch deutlich höher. Laut Tennet sind die geplanten Masten für eine Belastung von maximal vier Gigawatt ausgelegt. Nach Angaben der Bundesnetzagentur sollen über Suedlink aber sechs bis zehn Gigawatt Strom transportiert werden. Das bedeutet, dass im Endausbau zwei Stromleitungen nebeneinander stehen werden

? Gibt es zuverlässige Mindestabstände und Grenzwerte?

!Mindestabstände sind nur für Wechselstromleitungen vorgeschrieben. Sie gelten aber nicht für die geplante Gleichstromtrasse. In den Richtlinien steht, dass ein zu geringer Abstand zur Wohnbebauung vermieden werden soll, las Niebel vor. Eine Erdverkabelung kann geprüft werden, wenn der Mindestabstand 400 Meter unterschreitet.

? Was können die betroffenen Menschen gegen die Stromleitung tun?

!Jeder sollte Einspruch einlegen, empfiehlt Lars Niebel. Die Bürgerinitiative wird die Neuensteiner informieren, wann es soweit ist und auch eine Liste mit Einspruchsgründen zur Verfügung stellen?

? Kann man nicht einfach einen gemeinsamen Einspruch formulieren?

!Das ist nach Angaben der Bürgerinitiative nicht sinnvoll. „Alles, was identisch aussieht, wird als ein Masseneinspruch behandelt“, sagt Niebel. Deshalb sei es wichtig, alle Einsprüche individuell zu formulieren. Sie könnten dann aber gemeinsam an die Bundesnetzagentur geschickt werden. Die Bürgerinitiative will zudem eine Sprechstunde anbieten.

? Was passiert dann mit den Einsprüchen?

!Die Bundesnetzagentur hat knapp 100 Leute eingestellt, die die Einsprüche prüfen werden. Die Ergebnisse der Prüfung werden veröffentlicht.

? Wie soll es jetzt weitergehen?

!Die Mitglieder der Bürgerinitiative wollen nun verstärkt Unterschriften sammeln. Sie setzen zudem weiterhin auf die Sensibilisierung und Information der Bürger sowie auf gemeinsame öffentlichkeitswirksame Aktionen.

Von Christine Zacharias

Kommentare