250 Dinge (240): Die Mecklarer Barockkirche

Sonnenstrahlen auf dem Altar

Die von 1732 bis 1734 anstelle der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Vorgängerkirche errichtete Mecklarer Barockkirche zählt zu den bedeutenden Dorfkirchen Osthessens. Manchmal scheint der Vollmond direkt über dem nach Osten geneigten Kirchturm – so wie der Christstern in der Heiligen Nacht über Bethlehem geschienen hat. Foto: Apel

Mecklar. Heute ist alles anders. Schon dann, wenn die Glocken „zum Anziehen“ läuten, machen sich die ersten Besucher auf den Weg, um sich einen guten Platz in der altehrwürdigen Mecklarer Kirche zu sichern. Wie in fast allen anderen Kirchen des Hersfelder Landes auch wurde in ihr wieder tagelang geprobt, um Jung und Alt mit einem schönen Krippenspiel zu überraschen.

Jahreshauptversammlung

Heute ist Jahreshauptversammlung, sagen die Spötter. Denn heute kommen auch die, die sonst nie kommen. Aber ist es nicht schön, dass die, die aus beruflichen Gründen weggezogen sind, oder die, die sonntags lieber ausschlafen oder spazieren gehen, zurückkommen und sich am Heiligen Abend zu ihrer Tauf-, Konfirmations- oder Hochzeitskirche – zu ihrer Kindheit – hingezogen fühlen?

„Wir wollen dieses Haus und wir brauchen dieses Haus, die Kirche, das Haus Gottes“, unterstrich die damalige Pröpstin und spätere Stellvertreterin des Bischofs, Roswitha Alterhoff, als sie die vor 281 Jahren erbaute Barockkirche am Pfingstsonntag des Jahres 2001 frisch renoviert an die Gemeinde übergab. Sie sah sie als Zeichen für Menschen auf der Suche nach einem Zuhause, und so ist es auch. Ob man es wahr haben will oder nicht.

Bedeutende Dorfkirche

Dieter Großmann zählt die Mecklarer Kirche, vor der in der Advents- und Weihnachtszeit immer ein schöner Lichterbaum aufgestellt wird, zu den bedeutenden der osthessischen Dorfkirchen. Auch wenn ihr – wohl deshalb, weil das Geld gefehlt hat – eine ähnlich schöne Ausmalung wie zum Beispiel bei den Kirchen in Ronshausen, Odensachsen oder Ausbach – versagt geblieben ist. Aus dem Vorgängerbau stammen das Altarrelief, das den Evangelisten Johannes zeigt, und die im Chor befindliche spätgotische Sakramentsnische. In ihr lag bis vor wenigen Jahren ein Buch, in dem die Gefallenen und Vermissten mit ihren wesentlichen Lebensdaten verzeichnet waren.

Da die Kirche nach Osten ausgerichtet ist, fallen bei vielen Morgengottesdiensten Sonnenstrahlen auf den heute wieder mit einer Krippe geschmückten Altar. Hinter ihm erhebt sich die Kanzel, auf der so mancher Pfarrer zu seinen Schäfchen gepredigt hat. Fast schon sprichwörtlich soll der von 1849 bis 1861 im Kirchspiel Mecklar tätig gewesene Pfarrer Carl Christian Raßmann gewirkt haben: „Das war ein sehr energischer Herr, der Widerspruch nicht gut vertragen konnte und der gerne seine eigenen Wege ging!“ Manch einem, der nicht wusste, wie er was erledigen sollte, gab man deshalb den Rat: „Machen Sie’s doch wie der Pfarrer Raßmann. Der machte es wie der Pfarrer Nolte, und der wiederum machte es wie er’s wollte!“

Emporen entfernt

Ähnlich machte es Ende der Sechziger Jahre auch Architekt Günter Gundermann. Entgegen dem Willen des Kirchenvorstandes ließ er mit Billigung der Kirchenleitung unter anderem die beiden oberen Emporen entfernen. Seine Argumentation: Es seien genug Sitzplätze vorhanden. Er hat sicherlich nicht an den Besucherandrang bei der Christvesper gedacht, die wie immer mit dem von Orgel und Posaunen begleiteten Weihnachtslied „O du fröhliche“ und vielen guten Wünschen enden wird.

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