HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm zum Bundesverkehrswegeplan

Standpunkt zur Schnellbahntrasse: Sofort maximalen Druck aufbauen 

Ist das die Zukunft von Gittersdorf? Christian Schade hat eine Fotomontage der im Bundesverkehrswegeplan enthaltenen Bahntrasse durch das Geistal erstellt. Fotomontage Schade/nh

Wir sollten nicht wie die Lemminge sein, die sich sehenden Auges an den Abgrund führen lassen. Von keinem Bundesverkehrswegeplan, von keinem Verkehrsminister, von keinem Chefstrategen der Bahn.

Leider sind wir schlicht zu wenige Menschen in der Region und haben folglich als Wählermasse viel zu wenig Gewicht, als dass Resolutionen von Magistraten und Gemeindeparlamenten allein in den oberen politischen Etagen in Wiesbaden oder Berlin Wirkung zeigen könnten. Wir liegen in der Mitte unseres Landes, drohen aber vom Wahrnehmungsradar zu verschwinden im Bermuda-Dreieck übergeordneter Interessen. Wegen unserer zentralen Lage dürfen wir gerne herhalten als Drehkreuz der europäischen Verkehre auf der Straße und der Schiene. Absehbar ja auch als Durchleitregion für gigantische Stromtrassen - von den Windrad-Panoramen auf den Höhenzügen unserer Mittelgebirge ganz zu schweigen.

Und was passiert, während sich die Bahn aufgrund eines starken Planungsrechts mit einer irren Trassenplanung relativ leicht über ökologische Einwände gegen die Zerschneidung unserer Landschaft hinwegsetzen könnte? Paradoxer Weise wird zeitgleich aus umweltpolitischen Gründen unsere letzte Industrie, die Kaliförderung an der Werra, waidwund geschossen.

Was bekommen und bekamen wir zum Ausgleich? Behördenschließungen. Straßenbauverwaltung, Katasteramt, Bundespolizei und Gerichtsstandorte: weg. Wir sind die Mitte, die in Sonntagsreden durchreisender Politiker gern als „golden“ verklärt wird. Es ist dieselbe Heimat, die mit dem jüngsten Coup des Bundesverkehrswegeplans endgültig zur überbelasteten Strukturlandschaft degradiert wird.

Es ist zu kurz gesprungen, wenn unser Staatsminister Michael Roth (SPD) mit nur dezenter Kritik am Trassenplan auf die Errungenschaft hinweist, dass es ein sechswöchiges Zeitfenster für Einwände gibt. Toll! Und der altersbedingt irgendwann scheidende CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Heiderich könnte ein politisches Vermächtnis hinterlassen, wenn er sich von Parteien- und Fraktionstaktik unbeeindruckt mit gegen die fatale Trasse stemmt - am besten erfolgreich.

Für die örtlichen Landtagsabgeordneten ist ebenfalls Raum zur Profilierung gegeben. Von den Grünen dürfen wir ja wohl ohnehin engagierten Protest erwarten. Und alle Bürgerbewegten sollten diesmal den Schulterschluss mit den arrivierten Parteien suchen, statt eigene politische Süppchen zu kochen.

HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm

Der vergleichende Blick in die Nachbarregion genügt, um diese These zu untermauern: Während unsere Volksvertreter über Jahrzehnte leider zu leichtgewichtig waren, hätte es zu Zeiten des Fuldaer CDU-Granden Alfred Dregger kein Bleistiftakrobat in irgendeiner Behörde auch nur im Traum gewagt, die Domstadt von den Bahnverkehren abzuhängen - das Gegenteil war der Fall. Und die Behördendichte im Landkreis Fulda ist bis heute beachtlich.

Und bei uns? Was tun? Nötig ist kein laues Lüftchen, sondern ein Donnerwetter. Was bei der Bahn kapiert wird und bei politischen Entscheidern Wirkung zeigt, das ist letztlich nur eines: Druck. Der muss unverzüglich aufgebaut werden - nicht irgendwann, wenn es zu spät ist.

Zunächst sollten die am stärksten betroffenen Kommunen, also die Stadt Bad Hersfeld, die zur Durchfahrzone wachsender Güterverkehre ohne ICE-Halt verkommen würde, sowie Neuenstein und Ludwigsau ein echtes Aktionsbündnis schmieden. Sie müssen schmerzhafte, vor allem fernsehbildertaugliche Protestaktionen praktisch koordinieren. Unser gut vernetzter neuer Landrat Dr. Michael Koch ist einzubinden. Dann gilt es, die Landesregierung mit allen Mitteln argumentativ auf die Seite der Gegner der Bahntrasse zu ziehen. Und sei es mit Hilfe zivilen Ungehorsams und sturer Unbeugsamkeit. Verwegene Ideen gibt es in der Bürgerprotestszene genug.

Es muss nun angegangen werden, auch wenn das kein bequemer Weg ist. Wer sich aber zu spät erhebt, den könnte bald der Zug der Zeit in Neuenstein und Ludwigsau überrollen - und Bad Hersfeld ist dann abgekoppelt.

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