Arbeitskreis Dorferneuerung präsentiert Buch – Federvieh Henriette entdeckt Mecklar

Aus der Sicht einer Gans

Es ist geschafft: Stolz präsentieren (von links) Regina Klein, Jürgen Freund, Ortsvorsteher Wilfried Leiter, Karl-Heinz Prenntzell, Gunter Ellenberger, Lena Ellenberger, Ilona Mertelmeyer, Bürgermeister Thomas Baumann, Harald Bäz, Roswitha Dotzert, Lothar Fey und Alexander Blum im Mecklarer Bürgerhaus die ersten Exemplare des zum Abschluss der Dorferneuerung herausgegebenen neuen Gänsebuchs, das anschließend reißenden Absatz fand. Foto: Apel

Mecklar. Aus welchem Grund nur kam der Arbeitskreis Dorferneuerung des zweitgrößten Ludwigsauer Ortsteils Mecklar auf die Idee, nach knapp zehnjähriger Arbeit aus der Sicht einer Gans auf Geschichte und Gegenwart des 760 Jahre alten Dorfes zurückzublicken? Ob es an den vielen Gänsebeinen lag, die hier gerade vor Weihnachten in den Gaststätten in allen möglichen Variationen verspeist werden?

Wohl kaum, denn die Gans ist das Mecklarer Wappentier. Seit Jahrhunderten gehört sie zum Dorfbild, und deshalb stieß der Gedankenblitz von Ilona Mertelmeyer, aus noch nie dagewesener, „gansheitlicher“ Perspektive auf das Gänsedorf zu blicken, bei Bürgermeister Thomas Baumann und den anderen Buchschreibern auf Begeisterung. Zwei Jahre lang wurde gesammelt, aufgeschrieben und gebastelt, ehe das 168 Seiten starke Druckwerk, das den Untertitel „Viele Geschichten, nicht nur für kleine Leute“ trägt, den Mecklarern im mit Gänsefiguren geschmückten Bürgerhaus vorgestellt wurde.

Das vierte Kind

Da die 61-Jährige den größten Teil der Arbeit geschultert und den kompletten Buchtext handschriftlich vorgeschrieben hat, war klar, dass „Kargersch Ilona“, wie sie in Mecklar genannt wird, ihr „viertes Kind“ aufblättern und Auszüge vorlesen durfte. Schnell leuchtete den Premierengästen ein, wie es dazu kam, dass die seit der 750-Jahrfeier auf dem Kartenkasten vor dem Feuerwehrheim angebrachte Metallgans zu literarischem Leben erwachte, wie das vom Gemeindeoberhaupt auf den Namen Henriette getaufte Federvieh in seinem Dorf auf tierische und menschliche Ortsgenossen traf und von diesen immer wieder Neues erfuhr. Zum Beispiel, was es mit der Fuldafurt oder der Entstehung verschiedener Märchen der Brüder Grimm, die einige Male in Mecklar zu Besuch waren, auf sich hat.

Andere wiederum erzählten ihr vom „Tante-Erna-Laden“, vom Brotbacken und vom Schlachten, sodass sich aus vielen kleinen Mosaiksteinen letztendlich ein ganz ungewöhnlich dichtes, lebensnahes Dorfbild für Henriette –und damit für den Leser – ergibt.

Das ganze Werk ist in Märchenform geschrieben und durchgehend mit Farbfotos bebildert. Zur Ausgestaltung der Geschichten hat der in der Partnergemeinde Changé wohnende, befreundete Architekt Christian Langoulant verschiedenste Motive von Henriette gezeichnet, die Harald Bäz von paradox-Grafik überaus sorgfältig in die Fotos hineinmontiert hat.

Von den 200 digital gedruckten Buchexemplaren, denen als I-Tüpfelchen eine kleine, von Lothar Fey hergestellte Holzgans als Lesezeichen beigegeben ist, ist mittlerweile nur noch ein Rest zu haben. Ein Nachdruck wird erwogen.

Von Wilfried Apel

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