Wie das Bildungs- und Erziehungshaus offene Türen bekommt - Info-Veranstaltung

Schiefer Stuhl von Friedlos

Eltern, Erzieherinnen, Lehrkräfte und Fachleute aus den Ministerien Im Friedloser Bürgerhaus an einem Tisch: Katja Steinhauer, Melanie Rößing, Barbara Scharf, Susanne Dittmar, Lena Ehrhard, Schulelternbeiratsmitglied Christian Fey, Gudrun Strathe, Kindergartenleiterin Ingrid Dombrowski, Schulleiterin Anne Blohm und Christine Schaffer diskutieren beim Elternabend zum Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan (BEP), wie der Plan noch besser umgesetzt werden könnte. Foto: Apel

FRIEDLOS. Stolz berichtet die Friedloser Kindergartenleiterin Ingrid Dombrowski davon, wie die ihr anvertrauten Jungen und Mädchen ihren Alltag altersangemessen mitbestimmen. Zum Beispiel in der Kinderkonferenz, in der der älteste Jahrgang mit zwei bis drei Erzieherinnen bespricht, welches Projekt zum Abschluss der Kindergartenzeit auf den Weg gebracht wird.

Vor nicht allzu langer Zeit hat eine jüngere Gruppe sogar die Idee verwirklicht, einen Stuhl zu bauen. „Da haben wir uns erst einmal gewundert, wie die Kinder vorgehen“, erzählt die erfahrene Erzieherin. „Aber dann stand der Stuhl da. Er war zwar etwas schief, aber er hat gehalten!“ Zum Beweis dafür, dass es stimmt, verweist sie im Friedloser Bürgerhaus bei einer Informationsveranstaltung des Staatlichen Schulamts Bebra, bei der es um den Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan (BEP) und das Zusammenwirken an den verschiedenen Bildungsorten geht, auf ihr auf eine Leinwand projiziertes Fotomosaik. Die insbesondere aus Ludwigsau gekommenen Eltern, Erzieherinnen und Lehrerinnen sind begeistert. Und die im Hessischen Kultus- und Sozialministerium am Bildungs- und Erziehungsplan (BEP) arbeitenden und eigens aus Wiesbaden angereisten Referentinnen auch.

Stufenloser Übergang

Schon gleich bei der Begrüßung sind sie beeindruckt, dass es Bürgermeister Thomas Baumann ist, der ihnen in groben Zügen erläutert, wie das 2005 auf den Weg gebrachte Ludwigsauer „Tandem“ funktioniert: Wie gemeindliche Kindergärten und Fuldatalschule zum Wohle der Kinder zusammenarbeiten, wie ein stufenloser Übergang gewährleistet wird, wie die Kinder die vom BEP ins Auge gefassten Jahre von 0 bis 10 als „durchgehenden Prozess“ erleben. Der Rathauschef stellt auch heraus, dass die Eltern „die wichtigsten und am längsten tätigen Bildungspartner ihrer Kinder“ sind und dass Wiesbaden mehr Geld für die integrierte Bildungsentwicklung bereitstellen muss.

Susanne Dittmar vom Hessischen Kultusministerium spricht vom gesellschaftlichen Wandel, von neuen Rollen und vom „BEP als Fundament der Bildung“. „Aus Eltern, die ab und zu Kuchen backen, müssen Bildungspartner auf Augenhöhe werden!“, ist ihr Credo.

Gudrun Strathe von der gemeinsamen Geschäftsstelle des Sozial- und Kultusministeriums beleuchtet die kindliche Neugier und den stürmischen Verlauf des Bildungsprozesses in den ersten Lebensjahren: „Spielen und Lernen sind zwei Seiten einer Medaille!“ Das Kind müsse im Mittelpunkt stehen und nicht die Institutionen, fordert sie. Deshalb sei es ganz besonders wichtig, dass man sich an den verschiedenen Bildungsorten über ein gemeinsames Bild vom Kind und von dessen Entwicklung verständige, dass frühzeitig an den Basiskompetenzen (insbesondere an der Sprachkompetenz) gearbeitet werde, und dass man gemeinsam konstruiere („Ko-Konstruktion“) und reflektiere. Auch Wertschätzung und Ermutigung des Kindes dürfe man nicht vernachlässigen.

Stärken früh entdecken

Wie beim Ludwigsauer Modellprojekt „Qualifizierte Schulvorbereitung“ Stärken frühzeitig entdeckt und für die Entwicklungsförderung der Kinder genutzt werden, stellen Kindergartenleiterin Ingrid Dombrowski und Schulleiterin Anne Blohm vor.

Zu guter Letzt verweist Barbara Scharf aus Wiesbaden auf das Fortbildungs-Modul „Bildungsort Familie – ein Angebot für Eltern“, das Eltern kostenlos in Anspruch nehmen können. Alle sind inspiriert – auch wenn manchmal viel Fach-Chinesisch durch das Bürgerhaus waberte.

Info: www.bep.hessen.de

Von Wilfried Apel

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