Kartoffelpfannkuchen sind Lothar Kerschs Leibgericht – Probelauf mit Helfern vor dem Herbstmarkt in Mecklar

So richtig schön goldbraun gebraten

Puffer-Probe: Damit beim Herbstmarkt alles glatt über die Bühne geht, hat Lothar Kersch (rechts) Cousin Reinhold, „Schwiegercousine“ Ingrid und Ehefrau Evelyn (von links) zum Probelauf gebeten. Mit dem Ergebnis sind alle Beteiligten sehr zufrieden. Foto: Apel

Mecklar. Die dümmsten Bauern ernten die dicksten Kartoffeln, sagt man. Aber erstens gibt es kaum noch Kartoffelbauern, zweitens sind alle Bauern sowieso schlau, und drittens sind in diesem Jahr fast alle Erdäpfel gut geraten. Grund genug, sich wieder mal eine Leibspeise mit der tollen Knolle zu gönnen.

Das denkt sich auch Lothar Kersch, Gerätewart und Hauptmatador des 1999 gegründeten Mecklarer Freundeskreises für Tradition und Trachten, der alljährlich an Erntedank zum Herbstmarkt mit frisch zubereiteten Kartoffelpfannkuchen einlädt. Das sind aus geriebener, roher Kartoffelmasse hergestellte, gut untertassengroße Plätzchen, die im Rheinland Reibekuchen heißen. In Berlin, in Thüringen und in der Region bezeichnet man sie als Kartoffelpuffer oder Kartoffelpfannkuchen.

Auf Nummer sicher

Um auf Nummer sicher zu gehen, hat der 64-jährige pensionierte Lokführer vor seiner Werkstatt zum Probelauf gebeten. Vor ein paar Tagen schon hat Landwirt Friedhelm Claus einige Reihen „Kardüffel“, wie man in Mecklar sagt, ausgerodet und Lothar beliefert. Der wiederum hat sie durchgesehen, gewaschen und in eine große Wanne sortiert. Damit es beim Schälen und Zubereiten schneller geht, hat sich Lothar Ehefrau Evelyn, Cousin Reinhold Kersch und „Schwiegercousine“ Ingrid bestellt. Nach und nach werden alle Kartoffeln mit einer elektrischen Reibe gerieben. Früher, als alles noch per Hand gerieben werden musste, hat das viel mehr Zeit gekostet, und den einen oder anderen blutigen Finger gab es auch. Damit die eigentlich nicht besonders ansehnliche, schnell wässrig und braun werdende geriebene Kartoffelmasse die nötige Festigkeit und den ganz speziellen Pfiff bekommt, fügen Evelyn und Ingrid eine ebenfalls geriebene Zwiebel, zwei rohe Eier, etwas Salz und etwas Paniermehl hinzu. Dann mengt Ingrid alles durcheinander, und schon geht es los: Mit einer kleinen Suppenkelle schöpft Reinhold zwei „Teigbällchen“ auf die für die Puffer-Probe extra installierte Pfanne.

Mit Apfelmus

Die Reibekuchen färben sich, Ingrid dreht sie mit ihrem Pfannenwender um, wartet noch ein bisschen, und schon sind die ersten fertig. Herrliche, goldbraune Köstlichkeiten, die die meisten am liebsten mit Apfelbrei verzehren. „Ich esse sie am liebsten mit Zucker!“, ruft Lothar schmunzelnd, „schön gleichmäßig ,gezisselt‘.“

Bis die Teigmasse verbacken ist, dauert es seine Zeit. Aber am Sonntag, auf dem Festplatz am alten Feuerwehrheim hat Lothar wieder seine großen, mit Gas betriebenen Fettpfannen. Damit läuft alles wie am Schnürchen.

Von Wilfried Apel

Kommentare