50 Teilnehmer beim Seminar des Heimat- und Trachtenvereins Obergeis

Brot backen: Mit Rezept und Gefühl

Zum Brotbackseminar hatte der Heimat- und Trachtenverein Obergeis eingeladen: Simone Haas (vorn im Bild) ist zufrieden: Das Brot ist gut gegangen. Foto: Apel

Obergeis. Für Willi Knierim ist Brotbacken etwas ganz Besonderes. Nachdem er zusammen mit seinen Mitstreitern vom Heimat- und Trachtenverein Obergeis und den Teilnehmern des Brotbackseminars den Sauerteig angesetzt hat, erzählt er von seiner Oma und wie sie beim „Sieren“ gebetet hat. Wie sie zeichnet er drei Kreuze auf den Teig, und ermuntert die Anwesenden, innezuhalten und mit ihm auf altvertraute Worte zu hören, in denen auf sehr eingängige Weise zum Ausdruck kommt, welch wertvolles Lebensmittel Brot für unsere Vorfahren gewesen ist – und noch heute ist.

Die knapp 50 Interessierten, die am Freitag und Samstag zum Backhaus „Auf der Waldbach“ gekommen sind, sind Gleichgesinnte. Gespannt hören sie Elisabeth Böttcher und Willi Knierim zu, die eine erste Einführung geben und vom Ablauf des Backtags berichten. Knierim betont, dass vor Ort immer frisch gemahlenes Roggenmehl aus dem Haunetal verwendet wird. Und Wasser, Sauerteig und Salz. Später schüttet er allerdings noch ein bisschen Buttermilch dazu. In welchen Mengen, das kann er gar nicht genau sagen. „Der Willi hat das im Gefühl, der weiß das einfach!“, ruft Anneliese Reiffert. Sie ist ein Obergeiser Urgestein und könnte gar manche Geschichte aus alten Zeiten erzählen. Als man am Backtag um 4 Uhr morgens aufgestanden ist und meistens einen Zentner Mehl verbacken hat.

Ausprobieren und zuschauen

Die Backseminarteilnehmer bekommen dann aber erst einmal zu sehen, wie man Reiserwellen und Holz fürs Anheizen des Backofens macht: „60 bis 65 Knüppel braucht man schon, und gut abgelagert sollten sie sein!“ Wer will, darf sich ausprobieren und zusehen, wie der dreizügige Ofen gleichmäßig befüllt und fürs Anheizen vorbereitet wird. „Wenn zum ersten Mal gebacken wird, muss er vor dem eigentlichen Backvorgang, der bei etwa 250 Grad stattfindet und circa eine Stunde dauert, mindestens 450 Grad heiß sein“, erklärt Opa Willi, wie Knierim manchmal liebevoll genannt wird. Zusammen mit den Gästen setzt er nur wenig später in zwei großen Behältern den Sauerteig an. Mutige dürfen kräftig mengen, und dann muss der Teig erst einmal gehen. Zeit für ein Schmalzbrot mit Zwiebeln oder ein Butterbrot mit „Quetschemus“.

Backseminar des Heimat- und Trachtenvereins Obergeis

Am Samstagmorgen ist das „Gesierte“ gut gegangen. „Es muss wieder gefüttert werden“, lacht Willi Knierim. „Übern Daumen“ gibt er erneut Mehl in die beiden Teigbehälter und dann wird gemengt und geknetet, und wegen der großen Menge werden kleine Brote vorgearbeitet. Derweil stoßen sechs in Mühlbach wohnende Asylbewerber aus Syrien zur Gruppe. Bürgermeister Walter Glänzer und Andrea Hildenhagen vom Verein „Menschen unterstützen Menschen in Neuenstein“ haben sie eingeladen, und auch sie backen sich ein Stück Natur. Nach Obergeiser Art und so, wie sie es können: Mit Weizenmehl und so, dass es viele Fladenbrote ergibt.

Alle zusammen beobachten, wie der Backofen auf Temperatur gebracht wird, wie viele Hände viele kleine Brote formen, wie diese bei schönstem Wetter aufgehen, reißen und letztendlich zu dem gebacken werden, was der Hobby-Backhausbäcker Herz begehrt. Marlene und Werner Kohlhase aus Oberellenbach, die zum ersten Mal in Obergeis sind, loben: „Einfach nur toll, dass es einen Verein gibt, der die Tradition des Brotbackens so liebevoll pflegt!“

Von Wilfried Apel

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