Kabarett mit Thilo Seibel im Rittersaal von Schloss Neuenstein

Reise durch Politik-Felder

Aufgepasst: Thilo Seibel ist ein kenntnisreicher Beobachter, der vor der Entmündigung im Alltag warnt. Er hatte die Lacher auf seiner Seite. Foto: Schmidl

Saasen. „Die Politik hat Europa erst einmal gerettet“. Das war die gute Nachricht des Abends, denn der versierte Politkabarettist Thilo Seibel führt in seinem Programm durch die Welt der aktuellen politischen Fehlentscheidungen. Der Rittersaal von Schloss Neuenstein war am Sonntag bei der Veranstaltung zum „Tag des offenen Denkmals“ voll besetzt mit „studierten Kabarettzuschauern“, die ihr Geld für Schuhe, im Freudenhaus oder eben für diese Veranstaltung ausgeben.

Für das Geld wurde zwei Stunden zielgerichtetes und intelligentes Kabarett geboten, das den Nerv des Publikums traf. Thilo Seidel spricht Klartext statt Kauderwelsch, unternahm mit dem begeisterten Publikum eine Reise durch alle Politikfelder und deckt dabei die Fehler der Herrschenden schonungslos auf.

Ihr Fett weg bekamen dabei Edmund Stoiber und Franz Müntefering als Mitglieder der Ethik-Kommission zum Euro-Rettungsschirm, das Sprachgenie Günther Oettinger, der Polit-Azubi Philipp Rösler, Partybär Klaus Wowereit und die Dumpfbacke Kristina Schröder, die als Jugendliche für Helmut Kohl schwärmte und nun für die Emanzipation der Frau kämpft. „Ist es Emanzipation, wenn der Mann gelegentlich den Müll runter bringt, im Sitzen pinkelt und Vaterschaftsurlaub nimmt?“

Seibel beleuchtet die Energiepolitik und schimpft auf die GEZ, eine Mischung aus Geheimdienst, Finanzamt und Musikantenstadl oder besser gesagt: der Gegenentwurf zur Piratenpartei. Er fordert mehr Bildung in diesem Land, denn „verblöden kostet am allermeisten“. Schließlich wird alles teurer. Die Lebensmittel, die Fahrkarten der Deutschen Bahn und die Pflege. „Bist du erst mal Pflegefall, gibt es einen Kostenknall!“

Leben im Altenheim

Bei seiner Vision vom Leben im Altenheim mit Guido Westerwelle, Oliver Kahn und Herbert Grönemeyer in einem Zimmer läuft er zur Höchstform auf. Sein Publikum gehört zur Generation 39 plus wie Seibel auch, der für die Lösung der vielen Probleme den Fachmann zu Rate zieht. Harry Meissner, seit zehn Jahren Chefklempner im Berliner Regierungsviertel weiß: „Das wird teuer!“ Man kennt diesen Satz – vom Handwerker. Aber der Handwerker sagt es Ihnen wenigstens vor der Arbeit, der Politiker sagt es erst nach der Wahl. Seibels Empfehlung zur Überwindung der Euro-Krise ist, das Geld auszugeben oder das Urlaubsgeld an italienischen Geldautomaten abheben. (gs)

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