Kabarett-Duo Pusche und Klucke zum Denkmalstag auf Schloss Neuenstein

Perfekt verpackte Reime

Mit rabenschwarzem Humor, kritisch, sprachgewaltig und immer wieder einfach nur lustig: Das Potsdamer Kabarettistenduo Stefan Klucke (links) und Dirk Pusche begeisterte am Sonntagabend bei „hör-mal im Denkmal“ im voll besetzten Rittersaal von Schloss Neuenstein das erwartungsvoll lauschende Publikum. Foto: Apel

Saasen. Pusche und Klucke. Zwei Potsdamer, die Deutsch und Musik studiert haben und um ein Haar Lehrer geworden wären, im voll besetzten Rittersaal von Schloss Neuenstein. Das „Besteste“ ist angesagt beim schon fast traditionellen, von der Sparkassenstiftung unterstützten Kabarettabend anlässlich des „Tages des offenen Denkmals“.

Ausgestattet mit zwei blutroten Gitarren legen sie los, machen sie deutlich: „Wir sind keine Band für eine Nacht!“ Stattdessen: Konzentrierte „Schwarze Grütze“, die – durchaus nicht alltäglich – mit beißender Kritik an der medialen Vermarktung menschlicher Not beginnt. Aber: Der potenzielle Selbstmörder Herr Peters verweigert sich und stiehlt den anderen die Show.

Nach allerlei Seitenhieben auf Reinhard Mey kommen Stefan Klucke und Dirk Pusche in Fahrt. Sie berichten von ihrem Tourneeleben, vom Unterwegs-Sein mit dem geliebten Trabi. Geradezu perfekt ahmen sie das „Tuck-Tuck“ der „Rennpappe“ nach, mit der man durchaus „Tempo-Tempo-Tempo“ machen konnte – nach Tangerhütte, Treuenbrietzen, Torgau – bis zur nächsten Tankstelle mit Tagesangebot. Fast ohne dass man es merkt, erlebt man einen herrlichen musikalischen „T-Sketch“, spürt man, wie wortgewaltig und atemberaubend schnell die beiden Gitarristen mit Sprache umgehen können.

Endstation Pfanne

Ja und dann kommt der Rückblick auf die Weihnachtsprogramme, frei nach dem Motto: „Endstation Pfanne, was bleibt, ist eine Gänsehaut!“ Dirk verkleidet sich als Weihnachtsmann, flötet und erzählt dem staunenden Publikum, wie gerne er Weihnachtsmänner erschießt. Rabenschwarzer Humor. Dann frecher, „sächs’scher“, zum sanft dahingehauchten „Je t’aime“: „So Mädel, ran jetzt hier, ab die Post, das hattmer aber schomma besser, Du mit Deinem Französisch, schäm’ sollste Dich, kamma machen, ooch nich schlecht, jaaaa - fertsch!“

Köstlich die perfekt verpackten Reime, die Pusche und Klucke dem begeistert mitgehenden Publikum servieren: „Gibt man einer Hausfrau ins Frauenhaus eine Mitgift oder Gift mit?“, fast schon genial der in Musik verpackte Vorschlag von Marvins Eltern, all das zu machen, was pubertierende Kinder machen, weil sie ja doch das Gegenteil machen von dem, was man ihnen vormacht. Knüller und Brüller sind die R-L-Spielerei „Die Lache des Chinesen“ („Den lüden Lüpel habe ich lichtig leingelegt“), Dirks Date mit Maria und die Herbert-Grönemeyer-Parodie mit ADHS-Behandlungsvorschlag: „Ritalin ist dein Sanitäter in der Not!“

Vergnügliche Frosch-Witze

Nach ekstatischem Rock ‘n’ Roll, bei dem „Altrocker“ Stefan Klucke um ein Haar seine Gitarre zerschlägt, Bravo- und Zugabe-Rufen gibt es noch höchst vergnügliche Frosch-Witze („Kommt ein Mann zum Arzt mit einem Frosch auf dem Kopf…“) und einen bluesigen Rausschmeißer, in dem vom „Holzmichel“ bis zum „Eiermann“ alle nur denkbaren Stimmungskanonen auftauchen. Der Rittersaal tobt und ist sich einig: „Blavo, blavo, blavo!“

Von Wilfried Apel

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