Stimmungsvolles und gut besuchtes Gemeinschaftskonzert der Friedloser und Friedewälder Sängerinnen und Sänger

Nochmal den Tag der Tage leben

Friedlos. Fast bis auf den letzten Platz besetzt war die Friedloser Kirche beim fast schon traditionellen Herbstkonzert des Gemischten Chors des Gesangvereins Liederkranz. Zu Gast war der Frauenchor des Gesangvereins Friedewald.

Was die beiden verbindet? Großes Können und mit Alexander Maier und Tatiana Bauer junge Chorleiter, die russisches Temperament und russische Seele in die Chorarbeit einfließen lassen, die beflügeln, die ganz neue Töne in ganz alte Gotteshäuser bringen, die ihr Publikum – auch mit eigenen Beiträgen – schlicht und ergreifend begeistern.

Schon gleich zu Beginn spannten die Friedloser einen weiten musikalischen Bogen vom fröhlichen „Hi Ciao“ über das an Psalm 73 angelehnte, Freude und Zuversicht vermittelnde Werk „Das ist meine Freude“, das ausdrucksstark vorgetragene „Heilig, heilig“ aus der Deutschen Messe von Franz Schubert bis hin zu dem ebenfalls an Psalmen angelehnten Werk „Herr deine Güte“, bei dem die Solisten Reinhold Langhans, Helga Schäfer und Gitti Schnitzlein überzeugten und mit viel Beifall belohnt wurden.

„Wenn ich ein Glöcklein wär, schön wollt ich läuten“ sangen dann die Frauen aus Friedewald, zart beginnend und immer weiter ausgreifend mit dem immerfort wiederholten „Ave Maria“. Moderner gaben sie sich beim Eurovisions-Siegerlied „Halleluja“ und lustiger beim Volkslied „Katjuschka“, das Tatiana Bauer augenzwinkernd mit Einlagen würzte. Später begeisterte sie das Publikum mit „Goodbye, my Love goodbye“ und mit dem auf Russisch vorgetragenen „Those were the Days“, bei dem sie nicht nur von Natalja Martens am Akkordeon, sondern kongenial auch noch vom Dirigentenkollegen Alexander Maier unterstützt wurde. Der hatte vorher schon jede Menge Applaus für seine Version des Welthits „Amazing Grace“ eingeheimst.

Der mitreißende „Jägerchor“ aus der Oper „Der Freischütz“, das vielfarbige Stimmungsgemälde „Ungarland“ nach dem Ungarischen Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms, Elvis Presleys Evergreen „Can’t Help Falling in Love“, der in Erinnerungen schwelgende „Bolero der Herzen“ („Nochmal den Tag der Tage leben“), der auf Deutsch vorgetragene Abba-Titel „Money, Money“ und der Semino-Rossi-Schlager „Rot sind die Rosen“ waren weitere Glanzlichter der Friedloser „Hasen“.

Demgegenüber überzeugten die charmanten Vertreterinnen der „Schneegänse“ mit dem Noten von Mozart aufgreifenden „Ruf nach Frieden“, dem Russland-Bild-Klassiker „Moskau bei Nacht“ und der Gefangenen-Chor-Variante „Überall auf der Welt singt man Lieder“.

Musikalischer Höhepunkt

Höhepunkt des Konzertereignisses dürfte das von beiden Dirigenten gemeinsam, mit viel Gefühl interpretierte und von Margarita Stürmer am Klavier begleitete Liebeslied „Dir gehört mein Herz“ gewesen sein, bei dem man – Maiers Bariton- und Bauers Sopran-Stimme im Ohr und die Musical-Protagonisten „Tarzan und Jane“ vor Augen – so richtig dahinschmelzen konnte. Kein Wunder, dass sich das Publikum erhob und nach dem gemeinsam gesungenen „Dona nobis pacem“ nicht eher ging, bis sich die beiden zu einem Da Capo entschlossen. Ein großartiges, wie das gesamte, von Walter Zerr moderierte Konzert.

Von Wilfried Apel

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