Infoveranstaltung: Sorgenvoll blicken Hainrode und Ersrode auf die Windkraft- und Stromtrassenpläne

Neuer Horizont am Klosterstein

So könnte es schon bald am Horizont von Hainrode und Ersrode auf dem Höhenzug rund um den Klosterstein mit den Windrädern aussehen. Animation: Juwi-Wind GmbH

Ersrode. Eiskalt war es am Dienstagabend im Bürgerhaus des tiefverschneiten Ersrode. Vielleicht schon ein Vorgeschmack auf mögliche Folgen der Energiewende, über die bei der Bürgerinformationsveranstaltung der Gemeinde Ludwigsau leidenschaftlich diskutiert wurde. Bürgermeister Thomas Baumann hatte Vertreter des Windpark-Investors Juwi, der Trassenbetreiber Tennet und der Riedeselschen Waldgesellschaft eingeladen, um über den Stand des Projekts zu informieren.

Für die Juwi-Wind GmbH berichtete der Diplom-Geograf Volker Wilhelm über den Sachstand. Juwi plant auf dem Höhenzug um den 528 Meter hohen Klosterstein insgesamt sechs Windräder an der Gemarkungsgrenze zu Neuenstein mitten im Wald. Juwi verfüge über große Erfahrung mit Wald-Windparks, erklärte Wilhelm, die Eingriffe in die Natur würden dabei so gering wie möglich sein. Pro Jahr sollen die Windräder mit einer Nabenhöhe von 143 Metern und einer Gesamthöhe von rund 200 Metern etwa 8,2 Millionen Kilowattstunden Strom pro Windrad produzieren.

Gute Lärmprognose

Der Mindestabstand zu den letzten bewohnten Gebäuden in den Orten Hainrode und Ersrode liege bei mindestens 1100 Metern bis 2338 Metern. Die Lärmprognose sehe eine Belastung von maximal 40 Dezibel unter Volllast vor. „Das ist ein sehr guter Wert und entspricht einem leisen Gespräch“, sagte Wilhelm. Der Schattenwurf der Windräder werde laut Prognose in den Orten nicht wahrzunehmen sein.

Eine Gefährdung für Flora und Fauna, hier vor allem Zwergfledermäuse und Vögel, bestehe nicht, erklärte der Windkraft-Experte.

Für den Starkstrom-Trassenbetreiber Tennet erläuterte Dr. Arno Gramatte die derzeitigen Planungen. „Ich weiß, dass unser Projekt nicht immer die Zustimmung aller Bürger findet“, sagte er eingangs und versicherte, Tennet sei bemüht, einen Kompromiss zwischen Wirtschaftlichkeit und Naturschutz zu finden. Deshalb werde derzeit eine Waldtrasse geprüft, die dichter an die ohnehin geplanten Windräder rücken solle, dafür aber auch rund sieben Kilometer länger und entsprechend teurer werde.

Falls dies nicht möglich sei, versprach Tennet bei einem Trassenverlauf, der dichter an die Ortslagen heranreicht, wenigstens eine Bündelung mit der dort bereits vorhandenen Bahnstromtrasse anzustreben. Die Bahn habe dazu grundsätzlich bereits grünes Licht gegeben. Bis zu einer endgültigen Entscheidung müsste noch diverse Kartierungen und Verträglichkeitsprüfungen stattfinden. Ab Mai will Tennet konkrete Pläne bei Bürgerveranstaltungen vorstellen.

„Wir dulden die Trasse in unserem Wald, aber wir sind davon nicht begeistert“, machte Graf Hennig von Kanitz als Vertreter der Waldgesellschaft Riedesel deutlich. Gleichzeitig verteidigte er das Vorhaben, Windräder zu errichten. „Dieser Standort ist der absolut beste nach allen Kriterien in ganz Ludwigsau.“

Stiftung geplant

Eine Bürgerbeteiligung an den Anlagen sei rechtlich schwierig. Stattdessen kündigte von Kanitz an, zum Ausgleich eine gemeinnützige Stiftung ins Leben zu rufen, für die die Waldbesitzer einen „signifikanten Beitrag“ leisten wollen und von der die Bürger der Gemeinde Ludwigsau profitieren sollen. Texte unten

Von Kai A. Struthoff

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