Musiker aus Syrien geben Konzert in Untergeis

Musik und Gemälde: Syrische Musiker gaben ein Konzert in der Kirche von Untergeis. Die Kunststudenten präsentierten auch ihre Bilder. Foto: Zacharias

Untergeis. Ungewohnte Klänge erfüllten jetzt das weihnachtlich geschmückte Kirchlein in Untergeis. Zu Gast waren die Musiker und Künstler Arya, Sherzad und Rawan, die aus Syrien geflüchtet sind und seit gut zwei Jahren in Deutschland leben. Gemeinsam mit einem in Mainz lebenden Freund spielten sie Lieder aus ihrer syrischen Heimat.

Der Kontakt zu den Musikern sei über die in Mühlbach lebenden Flüchtlinge aus Syrien und den Verein Menschen unterstützen Menschen (MuM) entstanden, berichtete Pfarrer Michael Zehender. Die Mühlbacher hätten von der talentierten Gruppe erzählt und so sei die Idee entstanden, sie in die Kirche nach Untergeis einzuladen.

„Das ist Weihnachten“

„Das ist heute Weihnachten für mich“, freute sich Zehender. Die Christen feierten, dass Gott Mensch geworden sei und zeigten ihre Menschlichkeit, indem sie Geflüchtete aufnehmen, die ihre Heimat wegen Krieg und Verfolgung verlassen mussten.

Die jungen Künstler stammen aus dem inzwischen weitgehend zerstörten Aleppo und haben sich dort an der Kunsthochschule kennengelernt. In den letzten Jahren sei es allerdings, so berichteten sie Michael Zehender, zunehmend schwierig gewesen mit dem Kunststudium, vor allen für Arya als Frau, weil es sehr viele Beschränkungen und Eingriffe gegeben habe.

Freiheit der Kunst und des Ausdrucks ist den vier Syrern aber ein großes Anliegen. Sie wollen sich nicht durch Vorgaben der Religion oder der Regierung einschränken lassen. In der Unterhauner Kirche zeigten sie auch einige ihrer Bilder, darunter eine sehr ausdrucksstarke Darstellung einer jungen Frau, die ihr Baby stillt oder einen Christuskopf, dessen leuchtende Augen dem Betrachter direkt ins Herz zu blicken scheinen.

30 Bilder von Jesus

Arya, Sherzad und Rawan seien zwar Moslems, berichtete Zehender von einem Gespräch mit den Syrern, sie hätten jedoch mit dem Islam schlechte Erfahrungen gemacht und wollten sich und ihre Überzeugungen erst einmal neu sortieren. Jesus sei ein Mensch, in den sie alle ihre Emotionen hineinlegen könne, habe Arya ihm erzählt und inzwischen bereits 30 Bilder von Jesus gemalt, berichtete Zehender, für den diese intensive Auseinandersetzung wie ein Gebet ist.

Der Trauer und dem Entsetzen, über das, was in Aleppo passiert und im Namen des Islam zum Beispiel auch in Berlin gelte es, hier ein Zeichen des Friedens und der Gemeinschaft entgegenzusetzen, betonte der Pfarrer. Und tatsächlich nutzten viele Konzertbesucher die Pause, um mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen und sie kennenzulernen.

Nach der Pause gab es auch vertraute Klänge: Ein gemeinsam gesungenes und gespieltes Happy Birthday für einen Konzertbesucher, der an diesem Abend 18 Jahre alt wurde.

Von Christine Zacharias

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