Altenhilfezentrum Ludwigsau stellt Böhm-Wohngruppe vor – Tag der offenen Tür

Neue Wege in der Pflege

Pflegedienstleiterin Cornelia Knierim (links) ließ sich von Sandra Brehm (Mitte) für die „Böhm-Wohngruppe“ begeistern. Tina Störbrauck ist als examinierte Altenpflegerin in der Wohngruppe eingesetzt. Foto: Schmidl

Reilos. „Pflege mit den Händen in der Hosentasche“. An den Leitspruch halten sich die drei examinierten Altenpflegerinnen und eine Pflegekraft, die die im Evangelischen Altenhilfezentrum in Ludwigsau seit Mai 2011 eingerichtete „Böhm-Wohngruppe“ betreuen.

Neun feste Bewohner und zwei Gäste der Tagespflege fühlen sich in der kleinen familiären Wohngemeinschaft mit festen Bezugspersonen sehr wohl. Es sind an Demenz erkrankte Menschen im Alter von 76 bis 90 Jahren, deren Selbständigkeit und soziale Kompetenz so lange wie möglich erhalten bleiben soll.

Altersseele wiederbeleben

Das Motto stammt vom Wiener Professor Erwin Böhm, dessen psycho-biografisches Pflegemodell vielerorts, besonders aber in Österreich und der Schweiz, bekannt und nachvollziehbar ist. Es verfolgt das Pflegeziel: „Wiederbeleben der Alterseele“. Böhm möchte damit sagen, dass in seinem Modell nicht der Körper in erster Linie das Wichtigste ist, sondern die Seele.

Die Biografiearbeit ist in dem Pflegemodell einer der Hauptpunkte und verlangt viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen von den Pflegekräften, die durch tägliches Zusammenleben, Gespräche, genaues Hinhören und das Betrachten alter Fotoalben Informationen sammeln, um zu verstehen, warum sich die dementiell erkrankten und verhaltensauffälligen Bewohner so verhalten.

„Alles, was einen Menschen in den ersten 25 Jahren seines Lebens geprägt hat, gewinnt mit zunehmendem Alter an Bedeutung, das Altgedächtnis wird reaktiviert. Die Erlebnisse aus dieser Zeit haben den Menschen geformt, sie beeinflussen sein Verhalten, seine Gefühlswelt. Alte Menschen denken und handeln entsprechend der geformten Welt dieser Jahre“, gehört zu den grundsätzlichen Erkenntnissen des Pflegemodells.

Wichtig ist auch, dass das Pflegepersonal Sicherheit, Geborgenheit sowie eine vertraute Umgebung vermittelt, denn dadurch wird das „Daheim-Gefühl“ gestärkt und die Tendenz zum „Weglaufen“ gemildert.

Die mit Möbeln und Gebrauchsgegenständen aus den Haushalten der Bewohnerinnen und Bewohner geschmackvoll und gemütlich gestaltete Wohnküche bildet den Mittelpunkt des „Böhm Wohnbereichs“. „Hier werden alltägliche Arbeiten wie Spülen, Wäsche zusammen legen oder Knöpfe annähen verrichtet, die angebotenen vier Mahlzeiten gemeinsam eingenommen und vor allem teilweise vor Ort zubereitet“, erläutert Bereichsleiterin Sandra Brehm.

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist das Evangelische Altenhilfezentrum in Ludwigsau bisher das Einzige, das mit dem „Seelenpflegemodell“ neue pflegerische Wege eingeschlagen hat.

Offene Tür am Sonntag

Beim „Tag der offenen Tür“ am Sonntag, 19. August, können sich geladene Gäste, Angehörige und Interessierte ab 14 Uhr über das Wohnmodell informieren.

Von Gudrun Schmidl

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