Informationsveranstaltung für die Bürger

Ludwigsau: 21 Flüchtlinge sollen im Gasthaus ein neues Zuhause finden

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Zimmer frei: In den Tanner Hof an der Rohrbacher Straße in Ludwigsau sollen ab November bis zu 21 Flüchtlinge ziehen. Der Besitzer hat sein Gasthaus dem Landkreis als Unterkunft angeboten, der Mietvertrag soll in Kürze abgeschlossen werden. 

Ludwigsau. Unruhe in Ludwigsau: Im November sollen 21 Flüchtlinge in ein Gasthaus in dem kleinen Ortsteil Tann  einziehen. Die Besitzer geben den Betrieb auf.

Im Tanner Hof sind Zimmer frei. Auf der vergilbten Speisekarte stehen Handkäs mit Musik, Strammer Max und Toast Hawaii, doch die Küche bleibt jetzt kalt. Die Besitzer wollen das traditionsreiche Gasthaus an der Rohrbacher Straße aufgeben. Ab November sollen 21 Flüchtlinge in dem Tanner Hof ein neues Zuhause finden. Das sorgt für Unruhe in dem kleinen Ortsteil von Ludwigsau. Mehr als 150 Besucher drängten sich am Dienstagabend bei einer Informationsveranstaltung im Bürgerhaus Friedlos. Bei der Versammlung wurden viele konstruktive Fragen gestellt, Hilfsangebote gemacht, aber auch diffuse Ängste artikuliert.

„Der Tanner Hof ist zentral gelegen, nicht weit entfernt von Bad Hersfeld und den Einkaufsläden im Besengrund und passt gut in unser Konzept der dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen“, erläuterte Alexandra Klee-Richter, die beim Landratsamt für die suche nach geeignetem Wohnraum zuständig ist.

Bürgerinformationsveranstaltung mit Frank Hildebrand vom Fachdienst Migration (vorn) zum Thema Flüchtlinge nach Ludwigsau.

Der Tanner Hof sei die erste Immobilie, die in der Gemeinde Ludwigsau angeboten wurden, weitere sollen besichtigt werden, sagte der Leiter des Fachdienstes Migration, Frank Hildebrand. „Wir zahlen ortsübliche Mieten, die von einem unabhängigen Institut ermittelt wurden, um die Mietpreise nicht in die Höhe zu treiben“, erklärte Hildebrand.

Betreuung vor Ort

Für die Betreuung der Flüchtlinge in Tann wird Arsime Asani zuständig sein. Die junge Frau stammt aus Mazedonien und spricht acht Sprachen. Ihr eigener Migrationshintergrund hilft ihr bei der Mittlerrolle zwischen Flüchtlingen und Gemeinde.

Obwohl die Flüchtlinge nach herrschender Gesetzeslage keinen Deutschunterricht erhalten müssten, bietet der Kreis Sprachkurse an. „Für uns ist es das allerwichtigste, dass die Menschen schnell unsere Sprache lernen“, betonte Frank Hildebrand. Er versicherte, dass die allermeisten Flüchtlinge hochmotiviert seien und schnell arbeiten wollen, um sich eine Existenz aufzubauen.

Gleichwohl müssten die Flüchtlinge oft bis zu neun Monaten auf ihre Arbeitserlaubnis warten, weil die zuständigen Behörden völlig überlastet sind. Neben Sprachkursen bietet der Kreis auch Sozialtraining an, bei dem die Neubürger die deutschen Gepflogenheiten lernen sollen.

Angst vor Übergriffen

Bei der überwiegend sachlichen Diskussion wurden allerdings auch Befürchtungen laut. „Ich habe Angst um meine kleine Tochter, die in Tann zum Ponyhof geht“, sagte ein Vater. Ein andere Mann sorgte sich um mögliche sexuelle Übergriffe, wenn viele alleinstehende junge Männer untergebracht würden. Ein Weiterer fürchtete, auf den Kosten für etwaige Schäden beispielsweise im Straßenverkehr „sitzen zu bleiben“.

Trotz dieser Bedenken verteidigte auch Bürgermeister Thomas Baumann die dezentrale Unterbringung in Wohnungen in den Gemeinden, um eine schnelle Integration der neuen Mitbürger zu fördern „Die Unterbringung in Zelten wäre kurz vor dem Winter Wahnsinn, und Turnhallen haben die Qualität von Alm-Hütten – nach zwei Nächten will man nur noch raus“, sagte Baumann. (kai)

Mehr zum Thema lesen Sie in der HZ am Donnerstag.

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