Neuenstein-Prozess: Angeklagter hat die Tat einem psychiatrischen Gutachter gestanden

Nach Beleidigung zugestochen

Fulda/Neuenstein. Vor dem Fuldaer Landgericht hat der wegen versuchten Mordes Angeklagte aus Neuenstein bisher geschwiegen, doch vor dem psychiatrischen Gutachter hat der 25-Jährige die Tat gestanden.

Er habe sich beleidigt und provoziert gefühlt, so erklärte der Angeklagte dem psychiatrischen Gutachter Dr. Rainer Hofmann die Tat, wie der Mediziner gestern vor der Ersten Strafkammer berichtete. Der 25-Jährige habe den Ablauf so geschildert: Drei Bekannte trafen sich im März gegen Mittag in einer Wohnung in Neuenstein, um miteinander zu trinken. Tief in der Nacht entwickelte sich zwischen einem 39-Jährigen und dem Angeklagten ein Streit. Der Angeklagte fühlte sich beleidigt, sprang auf. Darauf fühlte sich das spätere Opfer bedroht und schlug den Angeklagten, der dann wiederum glaubte, reagieren zu müssen.

Keine Erinnerung

„Irgendwie kam ich dann in die Küche, und irgendwie hatte ich auf einmal ein Messer in der Hand und stach einmal zu“, gab Hoffmann die Schilderungen des Angeklagten wieder. Genau erinnern könne er sich aber nicht an die Tat. Erst an die Polizeivernehmung, zwölf Stunden später könne er sich wieder erinnern, sagte der 25-Jährige. Zur Schuldfähigkeit des Angeklagten wird sich Hoffmann erst am nächsten Verhandlungstag äußern.

Die medizinische Sachverständige Dr. Gabriele Lasczkowski von der Gerichtsmedizin der Universität Gießen legte dar, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt zwischen 0 und 2 Uhr zwischen 2,21 und 4,75 Promille Alkohol im Blut gehabt habe. Präziser lasse sich das nicht sagen, da die Blutproben erst rund zwölf Stunden nach der Tat genommen wurden. So viel Alkohol führe auch bei alkoholerprobten Menschen zu einer erheblichen Berauschung.

Herz knapp verfehlt

Bei dem drei bis vier Zentimeter tiefen Messerstich sei die Lunge so schwer verletzt worden, dass die Verletzung potenziell lebensbedrohlich gewesen sei, sagte Lasczkowski. Zudem habe der Stich das Herz um nur 1,5 bis 2 Zentimeter verfehlt. Ein Stich ins Herz wäre tödlich gewesen. Das Leben des Opfers wurde dann im Krankenhaus gerettet.

Wunde am Fuß

Dr. Harald Schneider, Leiter der DNA-Abteilung im Landeskriminalamt, erklärte, dass sowohl ein Küchenmesser mit abgerundeter Spitze als auch ein Klappmesser mit scharfer Spitze als Tatwerkzeug in Frage kämen. In der Wohnung, in welcher der fast tödliche Streit stattfand, wurden Blutspuren des Angeklagten und des Opfers gefunden. Das Blut des Angeklagten stammt aus einer Wunde am Fuß, deren Ursache unklar blieb. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Von Volker Nies

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