Erna Greinus wird am Sonntag 75 Jahre alt – Seit 60 Jahren im eigenen Laden

Die Mutter von Mecklar

Legt selten die Hände in den Schoß: Seit 60 Jahren ist Erna Greinus das Gesicht und die Seele des Mecklarer EDEKA-Markts. Jedes kleine Kind kennt sie und geht, weil man bei ihr fast immer etwas geschenkt bekommt, gerne „bei die Erna“. Foto: Apel

Mecklar. Sie kennt alle. Und alle Mecklarer und Meckbacher kennen sie. „Du bist die Königin der Schnuckelsachen“ strahlte sie vor ein paar Tagen ein Fünfjähriger an, als sie ihm – wie sie das eigentlich immer tut – gerade etwas Süßes geschenkt hatte. Die Rede ist von Mecklars „Tante Emma“, Erna Greinus.

Die zweifache Mutter, Großmutter und Urgroßmutter von Elias wird morgen 75 Jahre jung. Mit ihrem wohlsortierten kleinen Supermarkt ist Erna, wie sie in Mecklar und Meckbach fast jeder nennt, das Gesicht und die Seele der von Vater Heinrich Wolf 1933 gegründeten Bäckerei, aus der sich im Laufe der Jahre ein stattlicher EDEKA-Markt entwickelt hat. Ganz in der Nähe der Kirche, mitten im Dorf gelegen, ist er bis heute der Ort, an dem man sich trifft und an dem es alles gibt, was man zum Leben braucht. Was wegen großer Nachfrage ausverkauft ist oder nicht zum Sortiment gehört, wird umgehend besorgt.

Service ist für Erna das A und O. Schon morgens um 6.30 Uhr öffnet sie ihr Geschäft. Dann holen die ersten Kunden frische Brötchen oder die geliebte Zeitung. Und fast immer ist es Erna, die an der Kasse sitzt, ein nettes Wort auf Lager hat, und die sich, wenn Zeit ist, auch Zeit nimmt für ein Schwätzchen.

Für die kleinen und großen Sorgen, für Neuigkeiten, für Freud und Leid.

Ganz selbstverständlich stehen Glückwunschkarten an der Kasse, wenn jemand Silberne oder Goldene Hochzeit hat. Und wenn jemand gestorben ist, erfährt man es meist von ihr. „Sie findet für jeden das richtige Wort“, sagen die, die mit ihr zur Schule gegangen sind, aber auch die, die im „Gänsedorf“ zugezogen sind. Man ist schnell mit ihr per Du, und wenn das Geld mal nicht reicht, zückt sie ihr kleines Buch und schreibt auf, was noch zu bezahlen ist.

Irgendwie gehört untrennbar zu ihrem Leben, für andere Leute da zu sein und Kunden, wenn etwas fehlt, auch außerhalb der Geschäftszeiten aus der Patsche zu helfen. „Das ist für sie die größte Freude“, betont Ehemann Heinz, den es aus dem Memelland über Thüringen nach Mecklar verschlagen hat. Aus der Backstube des Schwiegervaters heraus verliebte er sich in die Tochter des Hauses, mit der er seit über 52 Jahren verheiratet ist, und der er bis heute eine große Stütze ist.

Vor zehn Jahren haben sich Erna und Heinz ihre erste und einzige Urlaubsreise an die Ostsee gegönnt. „Das war schön, aber wenn wir uns vor unserer Backstube auf unsere kleine Bank setzen und zur Kirche schauen, dann ist das genauso schön“, betont die Ur-Mecklarerin, die Mitglied der Evangelischen Frauenhilfe und des Obst- und Gartenbauvereins ist, die sich ansonsten aber nur wenig Zeit für Hobbys nimmt. Nach Möglichkeit will sie in nächster Zeit sonntags wieder kleinere Spaziergänge machen. Und solange es ihre Gesundheit zulässt, weiter in ihren Laden gehen, denn im Wohnzimmer ist – auch wenn sie sich im Fernsehen gerne Krimis oder „Bauer sucht Frau“ anschaut und mit Begeisterung den „Amigos“ zuhört – einfach nicht so viel los.

Das erwarten auch ihre Kunden, denn ohne Erna geht es nicht. Wie sagte eine Nachbarin so schön: „Sie ist die Mutter von Mecklar.“

Von Wilfried Apel

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