Hildegard und Karl Bernhardt aus Tann feiern heute ihre Eiserne Hochzeit

Mutter klöppelte das Kleid

Im Herzen jung geblieben: Mit einem Dankgottesdienst in der von ihrem Haus aus nur ein paar Schritte entfernten Tanner Fachwerkkirche feiern die Eheleute Hildegard und Karl Bernhardt heute Eiserne Hochzeit. Die 90-jährige Hildegard versorgt bis heute den gemeinsamen Haushalt und der 89-jährige Karl sieht trotz seiner Gehbehinderung immer wieder gern im Garten nach dem Rechten.

TANN. Auf ein ereignisreiches Leben und 65 gemeinsame Jahre blicken heute die Eheleute Karl Bernhardt und Hildegard, geborene Baumgärtl, in Tann, Biedebacher Straße 13, zurück.

Karl kam am 6. April 1924 als erstes Kind des Schreiners Martin Bernhardt und der Hebamme Maria Bernhardt, in dem Haus in Tann auf die Welt, in dem die Jubilare nach vielen Umbauten noch heute wohnen. Nach dem Besuch der Volksschule begann er bei der Firma Hersfelder Kammgarn eine Ausbildung zum Spinner, doch schon bald entschied er sich, in der Herfaer Munitionsfabrik zu arbeiten. Von 1941 bis 1945 war er Schütze auf einem in der U-Boot-Basis St. Nazaire (Südfrankreich) stationierten Minensuchboot, ehe er gefangen genommen wurde und zwei Monate im berüchtigten Lager Bad Kreuznach verbringen musste.

Die eiserne Braut stammt aus dem Sudetenland, wo sie am 19. Februar 1923 in Sauersack (Kreis Neudeck) als eines von fünf Kindern der Eheleute Ernst und Ernestine Baumgärtl geboren wurde. „Mein Vater war kränklich“, erzählt sie, „wir mussten früh ran!“ Als sie fünf Jahre alt war, brachte ihr die Mutter das Klöppeln bei – Hildegard hat es bis heute nicht verlernt. Nach dem Besuch der Volksschule ging es ins Landjahr. Im Anschluss daran arbeitete sie in einem Zinnbergwerk als Telefonistin.

Im Viehwaggon nach Hessen

1946 musste sie wie so viele andere auch ihre Heimat mit 50 Kilogramm Gepäck verlassen. Im Viehwaggon ging es nach Hessen, wo es sie vom Lager Herfa mit zwei Geschwistern, Mutter und Großeltern nach Biedebach verschlug. „Wir wurden gut aufgenommen“, erinnert sie sich an den vor allem für die Älteren schweren Neuanfang. Schon bald lernte sie ihren Karl kennen. 1947 verlobten sie sich und heute vor 65 Jahren wurde geheiratet. In einem Brautkleid aus Spitzen, für das Mutter Ernestine monatelang geklöppelt hatte, und in einem Hochzeitsanzug „aus alten Lumpen von Rechbergs“, den ein aus Westfalen stammender, bei Bernhardts wohnender Schneider angefertigt hatte.

Nachdem er eine Zeitlang bei den „Amis“ in einem Benzinlager gearbeitet hatte – was den Vorteil hatte, dass er „an der Quelle“ saß und beispielsweise auch für das Hebammen-Motorrad seiner Mutter Benzin besorgen konnte, etablierte sich Karl bei seinem Ausbildungsbetrieb als Spinner und Maschinenführer und später bei der Firma Wever als Endkontrolleur. Aufgrund eines Wegeunfalls ging er mit 60 Jahren in Rente. Gemeinsam mit seiner Hildegard betrieb er auch noch eine kleine Landwirtschaft. Das bedeutete, dass er jeden Morgen um 3.45 Uhr aufstehen musste, ehe es um 5.30 Uhr nach Bad Hersfeld ging. Ähnlich war es bei Hildegard, die neben ihrer Tätigkeit als Hausfrau als Akkord-Näherin bei den Hersfelder Kleiderwerken „schönes Geld“ verdiente.

Viel Arbeit, aber auch Urlaub

„Wir haben viel gearbeitet und wenig Hobbys gehabt“, erzählen die im Herzen jung gebliebenen Jubelbrautleute, „aber nach Möglichkeit auch einmal im Jahr Urlaub gemacht“. Bis heute ist Hildegard begeisterte Kuchenbäckerin. Unterstützt von Sohn Roland und den Nachbarn, immer wieder gern besucht von Enkelsohn Martin und Urenkelin Maila, sorgt sie liebevoll für Ehemann Karl, der nach „drei neuen Hüften und einem neuen Knie“ auf eine Gehhilfe angewiesen ist. Zu ihrem eisernen Glück gehört, dass sie sonntags gerne mit ihm, Schwester Erna und Ehemann Jakob Kehl zum Essen fährt.

Von Wilfried Apel

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