Sommerfest: Evangelisches Altenhilfezentrum Reilos wird 20 Jahre alt

Mitten in der Gemeinde

Mitarbeiterinnen und einige Helfer des evangelischen Altenhilfezentrums in Reilos (von links: Tanja Holzhauer, Andy Schulz, Melanie Günther, Sandra Brehm, Lisa Groppe, Constantin Natrup, Mona Maierhof, Cornelia Knierim und Anita Rubener) bereiten alles für das Geburtstagsfest vor. Foto: Apel

Reilos. Public Viewing im Altenheim? Wo gibt’s denn sowas? In Reilos natürlich, denn das Evangelische Altenhilfezentrum feiert am Wochenende seinen 20. Geburtstag, und da wird am Samstagabend spätestens ab 21 Uhr im Festzelt auf einer großen Leinwand Fußball geguckt.

„Typisch Reilos“, könnte man sagen, denn hier steht seit der Eröffnung der Einrichtung der alte Mensch – aber nicht nur der – mit all seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt. Ihm wird Achtung und Respekt entgegengebracht, er wird mit sehr viel Menschlichkeit gepflegt und auch in seinen letzten Stunden nicht alleingelassen.

Familiäre Atmosphäre

Überall in den auf den drei Etagen verteilten vier Wohnbereichen mit insgesamt 70 Einzelzimmern ist familiäre Atmosphäre und Zuwendung spürbar. Eine Mitarbeiterin erzählt davon, dass es immer wieder vorkommt, dass Menschen, die zum ersten Mal da sind, nach zwei bis drei Tagen vom Heim begeistert sind.

Ein alter Herr habe nach beendeter Kurzzeitpflege einmal erklärt, er wolle nicht mehr weg. Wenn kein Zimmer zur Verfügung stehe, solle doch ein Zelt aufgeschlagen werden.

Einer der Väter der von Anfang an vom Sozialpädagogen Ernst-Olaf Mende geleiteten Vorzeigeeinrichtung ist Ludwigsaus Altbürgermeister Wilfried Blum. Er sorgte dafür, dass die Gemeinde ein Grundstück zur Verfügung stellte und dass Zuschüsse flossen. Im späteren Prälaten Rudolf Schmidt, damals noch Leitender Pfarrer der Evangelischen Altenhilfe Hofgeismar, fand er den kongenialen Partner und im Kasseler Architekten Rolf Jentzsch den erfahrenen Planer, der für ein altengerechtes Gebäude mit fast allen Annehmlichkeiten sorgte.

Schlüsselübergabe und Hauseinweihung fanden am 18. November 1994 statt. Der allererste Bewohner lebte fast 19 Jahre in dem am Rande von Reilos am Rohrbach gelegenen Haus, das sich als Teil des dörflichen Lebens versteht und bestens vernetzt ist.

Dazu gehört, dass sich Bewohner und Gäste sonntagnachmittags in der Caféteria treffen und am Gesang von Gastchören oder an Aufführungen aller Art erfreuen. Darüber hinaus finden regelmäßig Feste statt und je nach Jahreszeit wird zu Märkten eingeladen.

Jeden Mittwoch ist die Heim- und Ortsgemeinde zum Gottesdienst in der Hauskapelle eingeladen. „Da sind dann oft 30 Besucher da – der beste Gottesdienstbesuch in ganz Ludwigsau!“, freut sich Pfarrer Jörg Scheer aus Friedlos, der die betagten Gemeindeglieder betreut.

Ständige Fortbildung

Seine Frau, Pfarrerin Dagmar Scheer, verweist auf den 2008 eingerichteten Palliativwohnbereich: „Da wird sehr viel getan, und letzten Endes kommen die Palliativmedizin und die ständige Fortbildung des Pflegepersonals gerade in diesem Bereich allen Hausbewohnern zugute.“

Die über 70 Mitarbeitenden sind ein großes Plus für Heimleiter Ernst-Olaf Mende. Er und die Heimbewohner können sich auf sie verlassen. Auch wenn sie angesichts nicht auskömmlicher Pflegeentgelte – und das ist der Wermutstropfen im Jubiläumsjahr – auf einen Teil ihres Gehaltes verzichten müssen.

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Von Wilfried Apel

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