Auf der Großbaustelle am Umspannwerk Mecklar geht es gut voran – Folgen des Feuers werden beseitigt

Millimeterarbeit am Trafo-Koloss

Ludwigsau. Rötliche Staubwolken liegen über dem Umspannwerk in Mecklar. Ein Lastwagen nach dem anderen rollt über die rumpelige Baustraße und wird mit Erdreich beladen. Immer weiter fressen sich die Bagger in den Hang hinein, um Platz für ein größeres Umspannwerk zu machen. Riesige Erdanker wurden bis zu 30 Meter tief in den Untergrund getrieben, um ein Abrutschen des Hangs zu verhindern.

„Wir liegen gut im Zeitrahmen, alle Arbeiten laufen wie geplant“, berichtete Markus Lieberknecht, der Sprecher der Firma Tennet. Das Umspannwerk soll bis zum Jahr 2017 aufgerüstet werden, um dann den Strom der geplanten 380-kV-Starkstromleitung zu verteilen. Dafür müssen allein rund 90 000 Kubikmeter Erde abtransportiert werden. Etwa 50 Millionen Euro werden für den Ausbau investiert.

Während die Bagger immer weiter rote Erde auf die Lastwagen schaufeln, wartet am alten Umspannwerk ein gewaltiger, roter Sattelschlepper mit grollendem Diesel. Die große Zugmaschine soll am Abend einen schwerbeladenen Anhänger Richtung Nürnberg schleppen.

Auf dem Auflieger soll die Anfang Juni ausgebrannte Kompensationsspule in das Siemenswerk zur Überprüfung geschleppt werden. Den ganzen Tag lang sind die Techniker der Schwertransportfirma Gebrüder Markewitsch damit beschäftig, den 90 Tonnen schweren Trafo auf den Hänger zu bugsieren. Das große Gerät, an dem noch schwarzer Ruß klebt, wird dazu auf Gleisen mit einem Kettenzug auf den Hänger gezogen. Danach senken die Fachleute millimeterweise den Koloss auf die Stellfläche.

Schwankungen ausgleichen

In Nürnberg soll dann geprüft werden, ob die Kompensationsspule repariert werden kann. Das fast hausgroße Gerät sorgt dafür, dass die Spannung immer auf dem gleichen Niveau bleibt, gleicht also Schwankungen aus, erklärte Tennet Sprecher Lieberknecht. Allerdings sei das Netz so ausgelegt, das beim Ausfall einer dieser Spulen problemlos andere übernehmen können. Sollte Siemens den Brandschaden beheben können, werde die alte Spule zurück nach Mecklar transportiert und in dem neuen Umspannwerk eingebaut. Andernfalls müsste eine neue Kompensationsspule zum Einsatz kommen. Die Überprüfung wird in jedem Fall mehrere Monate dauern.

Die Erfahrungen aus dem Brand im Umspannwerk wollen Tennet und die örtliche Feuerwehr nutzen, um die neue Anlage noch besser zu schützen. So habe es bereits eine gemeinsame Begehung mit den örtlichen Feuerwehrleuten gegeben. „Wir wollen, wenn irgend möglich, auf ihre Wünsche eingehen“, verspricht Lieberknecht.

Bis es soweit ist, wird bei den Arbeiten auf der Großbaustelle aber wohl noch eine Menge roter Staub aufgewirbelt werden.

Von Kai A. Struthoff

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