Dörfer werden von Windrädern und Stromtrassen umzingelt

Menschen wachrütteln

Kartenstudium: Auf den verschiedenen Landkarten sind unter anderem die Lebensräume seltener Tier- und Vogelarten eingezeichnet, erklären Bürgermeister Walter Glänzer (rechts) und Lars Niebel, der Vorsitzende der Bürgerinitiative. Foto: Zacharias

Neuenstein. Windräder auf der einen Seite, dazu mehrere Stromtrassen von rechts und links – in Mühlbach könnte es in den kommenden Jahren ungemütlich werden. Wenn alle Pläne so verwirklicht werden, dann ist das idyllische Dorf im Norden der Gemeinde Neuenstein bald förmlich eingekesselt von technischen Anlagen. Die stören nicht nur den Blick auf die Natur, die bringen auch Lärm und Schattenwurf und mögliche Gefahren durch die Auswirkung der Stromspannung auf Mensch und Tier mit sich. Bürgermeister Walter Glänzer und Dr. Lars Niebel, der Vorsitzende der Bürgerinitiative Lebensqualität Neuenstein, sind erschrocken über das geplante Ausmaß der Energiewende für Neuenstein und wollen die Menschen wachrütteln.

Denn Mühlbach ist längst nicht das einzige betroffene Dorf. An zahlreichen Stellen im Kreis lassen sich auf den Plänen große Konzentrationen von Windkraftanlagen erkennen, in Ludwigsau zum Beispiel oder rund um Heringen. Zudem durchschneiden mehrere große Stromtrassen den Kreis: Die 380-kV-Leitung Wahle-Mecklar, die Gleichstromtrasse Suedlink, die Bahnstromleitung und noch mehr. „Wir wollen deutlich machen, was da in der Summe auf die Menschen zukommt“, sagt Glänzer. Trotz der vielen Informationsveranstaltungen und Zeitungsartikel haben Glänzer und Niebel den Verdacht, dass die drohenden Veränderungen vielen Menschen noch nicht bewusst sind.

Glänzer zeigt auf eine vergrößerte Luftaufnahme: Dort ist erkennbar, dass die geplanten Windräder auf der Gemarkungsgrenze zwischen Neuenstein und Ludwigsau mitten im Wald stehen werden. Bisher gibt es dort nur schmale, gewundene Waldwege. „Das müssen alles Schneisen werden“, befürchtet Glänzer. „Da gehen riesige Waldflächen verloren.“

Argumente sammeln

Gemeinsam mit Niebel sammelt der Bürgermeister Argumente, die gegen Windräder und Stromtrassen sprechen. Wichtig sei aber auch, so betonen die beiden, dass die Menschen sich informieren und massenhaft protestieren, um den Politikern das eindeutige Signal zu senden, dass eine Energiewende, die weiträumig Landschaft und Lebensraum zerstört, damit sich einige Investoren bereichern können, so nicht akzeptabel ist.

Durch die Fülle der Windräder und Stromtrassen werde auch das Tiefflug-Übungsgebiet für die Tiger-Kampfhubschrauber stark eingeschränkt, hat Glänzer festgestellt. Das bedeute entweder die doppelte Belastung für die Menschen in den Gebieten ohne Masten oder aber, so hofft er, ein schlagkräftiges Argument gegen den Bau weiterer Anlagen.

Von Christine Zacharias

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