Bürgerinitiative Lebensqualität Neuenstein gegen Suedlink hatte Experten eingeladen

Massiver Protest nötig

Großes Interesse: Zahlreiche Neuensteiner, aber auch Menschen aus den Nachbargemeinden kamen zum Expertengespräch zum Thema Suedlink nach Obergeis. Fotos: Zacharias

Obergeis. Die Neuensteiner fühlen sich bedroht. Durch ihr Gemeindegebiet soll die geplante Gleichstromtrasse Suedlink laufen. Im vorgesehenen Trassenkorridor liegen die Dörfer Mühlbach, Saasen, Aua und Obergeis. Derzeit gibt es jedoch für die dort lebenden Menschen mehr Fragen als Antworten. Wie sieht es mit den gesundheitlichen Risiken bei einer Gleichstromtrasse aus? Wie groß ist der Abstand zur Wohnbebauung? Ist eine Erdverkabelung besser als Freileitungen? Wer ist Ansprechpartner für Probleme? Wie sieht es mit der Sicherheit aus? Diese und viele andere Fragen waren am Donnerstagabend Thema eines Expertengesprächs, zu dem die Bürgerinitiative Lebensqualität Neuenstein in die Mehrzweckhalle Obergeis eingeladen hatte.

Wie ein Spielball

„Wir fühlen uns wie ein Spielball zwischen den politischen und wirtschaftlichen Interessen“, machte Bernd Schmidt, der zweite Vorsitzende der Bürgerinitiative deutlich. „Wir haben keinen Einfluss auf die Planung“, stellte er fest. Die Sorge ist groß, dass die Menschen vor vollendete Tatsachen gestellt werden sollen, obwohl mit Transparenz geworben wird. Denn inzwischen fürchten die Neuensteiner, dass nicht nur eine Starkstromtrasse durch ihr Gemeindegebiet laufen wird, sondern auch eine zweite Megatrasse, die von Brunsbüttel nach Baden-Württemberg führen soll.

Eine Erdverkabelung, die vielen Menschen als geringeres Übel erscheint, sei praktisch nicht vorgesehen, erläuterte Schmidt. Neben den möglichen gesundheitlichen Problemen befürchten die Neuensteiner auch wirtschaftliche Einbußen, weil ihre Gemeinde durch die Trasse weniger attraktiv werde und Immobilien an Wert verlören.

Die einzige Möglichkeit, die die Mitglieder der Bürgerinitiative derzeit sehen, ist massiver öffentlicher Druck – sowohl auf die Politiker als auch auf die Netzbetreiberfirma Tennet und die Genehmigungsbehörde Bundesnetzagentur.

Rückendeckung erhält die Bürgerinitiative von den Gemeindegremien und von Bürgermeister Walter Glänzer. „Das Netzausbaubeschleunigungsgesetz hat den Teufel als Inhalt“, meinte er. Es gebe kaum Widerspruchsmöglichkeiten und kaum Mitsprache. Die Öffentlichkeit müsse sich übers Internet informieren und könne auch nur übers Internet Stellungsnahmen abgeben. Die Fristen dafür seien mit jeweils vier Wochen sehr kurz, der Zeitaufwand hoch.

Trotzdem sollte jeder Bürger, der in Abstand von eineinhalb bis zwei Kilometern Entfernung zur Trasse wohnt, ab dem 3. November einen eigenen Widerspruch einreichen, empfahl die Rechtsanwältin Veronika Papenhagen-Stannick, selbst Vorsitzende einer Bürgerinitiative gegen Suedlink in Bad Emstal. „Je mehr Sie schreiben, über die Gefahr gesundheitlicher Beeinträchtigungen und andere Probleme, desto mehr muss die Bundesnetzagentur prüfen“, meinte sie. Wenn dann die Bescheide da seien, empfiehlt sie eine Sammelklage. Wie das gemacht werden könne, werde derzeit vom Bundesverband der Bürgerinitiativen gegen Suedlink geprüft.

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Von Christine Zacharias

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