Gemeindeparlament verweigert Rotorenbauern die Durchfahrt

Ludwigsau stellt sich bei Windkraft quer

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Die Windkraftanlagen auf dem Bad Hersfelder Wehneberg von Rohrbach aus gesehen.

Ludwigsau. Eine Gemeinde hat Angst, vollends unter die Windräder zu kommen: Deshalb hat das Parlament in Ludwigsau am Mittwochabend einstimmig beschlossen, keine weiteren Windkraftanlagen im Einzugsbereich der Gemarkung zuzulassen.

Hintergrund sind bekannt gewordene Anträge von Investoren, die Ludwigsau mit Rotoren regelrecht umzingeln wollen (wir berichteten). Die Anlagen sollen allerdings fast alle kurz hinter den Gemarkungsgrenzen, meist auf Flächen von Hessen Forst, entstehen.

Um überhaupt eine Einflussmöglichkeit zu haben, verweigert die Gemeinde den Rotorenbauern deshalb die Nutzung der Wald- und Wirtschaftswege zu den ausgewiesenen Vorranggebieten. Sie werden daher vermutlich mit den Baufahrzeugen nicht vor Ort gelangen können.

SPD-Fraktionschef Rainer Koch, von dem der Vorschlag stammt, baut dabei auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs. Darin wurde einer Gemeinde in Thüringen Recht gegeben, die ebenfalls keine kommunalen Flächen für Windkraft zur Verfügung stellen wollte.

Der Abstimmung war eine leidenschaftliche Debatte vorangegangen. Bürgermeister Thomas Baumann hatte dabei minutiös die im Teilregionalplan ausgewiesenen Flächen vorgestellt. Er sagte, viele der Anlagen wolle der Bad Hersfelder Investor Ingo Sauer bauen, der auch den Wehneberg ins Visier genommen hatte.

Baumann fürchtet, dass die Projekte durchgepeitscht werden sollen, bevor sich die Förderrichtlinien für Windanlagen ändern, und warnt vor der „völligen Verlärmung“ seiner Gemeinde, die auch durch Stromtrassen, Bahnstrecken und die Bundesstraße belastet ist. Er appellierte deshalb an alle Bürger, von ihrem Einspruchsrecht gegen den Entwurf des Teilregionalplans Gebrauch zu machen. Um zusätzlich Druck zu machen, lehnte das Gemeindeparlament außerdem einstimmig die Planung für die 380-kV-Stromtrasse ab. (kai)

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