Gemeinde fühlt sich von Politik allein gelassen

Ludwigsau kämpft um Waldtangente

Ludwigsau. In der Gemeinde Ludwigsau schwindet das Vertrauen in die Beteiligung der Bürger an wichtigen Entscheidungen. „Es ist ein Hohn, wie hier mit uns verfahren wird“, sagte SPD-Fraktionschef Rainer Koch in der Debatte über die von Tennet vorgeschlagene Vorzugsvariante.

Sein Parteifreund Heino Stange erinnerte an andere Kämpfe, die die Gemeinde bislang aussichtslos führt: Zum Beispiel für eine Umgehungsstraße oder gegen den Bahnlärm. „Uns wurde schon viel versprochen, aber unser Vertrauen in die Bürgerbeteiligung und die Mitnahme der Menschen vor Ort ist nach diesen Erfahrungen gering.“ Gleichzeitig beklagte Stange auch die fehlende Unterstützung durch den Kreis und die Wahlkreisabgeordneten.

Auch Heinrich Fink von der CDU glaubt den Worten der Trassenbetreiber von Tennet nicht. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Waldtangente technisch so schwierig umzusetzen sein soll.“ Er würde es sogar auf einen Rechtsstreit ankommen lassen, wenngleich die Gemeinde in dieser Fragen eigentlich kein klassisches Klagerecht habe. Einig waren sich alle Gemeindevertreter bei ihrer urlaubsbedingt schon etwas dezimierten Sitzung am Donnerstagabend, dass „das letzte Wort im Theater um die 380-kV-Leitung noch nicht gesprochen ist“, wie es Rainer Koch formulierte. Er warnte davor, dass womöglich schon bald über eine dritte Starkstromtrasse nach Mecklar verhandelt wird, bei der jetzt gemachte Fehler noch weitreichender Folgen hätten.

„Wir sehen schon die Notwendigkeit der Leitungen, aber wir wollen nicht, dass einfach über unsere Köpfe entscheiden wird“, sagte Koch, bevor das Gemeindeparlament einstimmig ihre Anträge gegen die vorliegenden Trassenvarianten auf den Weg brachte.

Wie viel diese Anträge tatsächlich bewirken können, ist offen. Immerhin spielt die Gemeinde damit auf Zeit. Denn ab September könnten die politischen Karten neu gemischt werden. (kai)

Kommentare