Wildkatze tappte in die Fotofalle

Luchs ist zurück im Seulingswald

Treffer: Ein Luchs kehrt am 18. März im Seulingswald zu seiner Beute zurück und tappt in eine dort aufgestellte Fotofalle. Foto: Hessenluchs

Tann. Der Luchs, die größte in freier Wildbahn lebende heimische Katze, kommt in unsere Wälder zurück. Im Seulingswald ist vor drei Wochen eine dieser Wildkatzen in eine Fotofalle getappt, die der für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg zuständige Luchs-Beauftragte Kurt Tiede aus Tann direkt neben einem geschlagenen Reh installiert hatte.

Das erste Reh, das in der Region vermutlich von einem Luchs erlegt wurde, bekam Tiede am 17. Januar 2007 zu Gesicht. Das Reh war durch einen Biss in den Hals getötet worden und hatte Kratzspuren auf dem Rücken. „Typische Verletzungen, die durch Wildkatzen hervorgerufen werden. Hunde und Füchse dagegen töten durch Bisse in den Nacken“, erklärt der Fachmann.

Luchs liebt Muskelfleisch

Immer wieder wird er zu toten Tieren gerufen, die eindeutig nicht von einem Luchs gerissen worden seien. „Außerdem räumt der Luchs im Gegensatz zu Hunden und Füchsen seine Opfer nicht komplett aus. Er ernährt sich vielmehr von Muskelfleisch aus Keule, Hals und Blatt“. Ohnehin sei es äußerst schwierig, einen sicheren Luchsriss zu bestätigen, denn in der Regel seien schon andere Nutznießer wie Füchse oder Krähen und Kolkraben am Werke gewesen. Der 72 Jahre alte Forstamtsrat im Ruhestand, der bis 2006 die Försterei Kathus leitete, trägt für das Senckenberg-Institut in Gelnhausen alle relevanten Daten, die auf Luchse in Waldhessen hinweisen, zusammen.

Wie viele Luchse in unseren Wäldern bereits wieder heimisch sind weiß auch Tiede nicht. Er nimmt an, dass sich maximal zwei Tiere in der Region herumtreiben.

„Das Jagdrevier eines Luchses beträgt nachweislich 100 bis 300 Quadratkilometer. Nur im Frühjahr kommt alles etwas durcheinander, dann ist Paarungszeit. Die gesamte Jagdfläche des Landkreises Hersfeld-Rotenburg beträgt 1020 Quadratkilometer. Daraus errechnet sich ein Bestand – bei Vollbesiedlung –von drei bis fünf Tieren“, erklärt Tiede.

Mit Sicherheit werde die Ausbreitung der Luchspopulation auf Jagd und Nutztierhaltung merkliche Auswirkungen haben. „Im vergangenen Jagdjahr wurden 4682 Rehe erlegt. 451 Rehe wurden Opfer des Straßenverkehrs. Langjährige Erhebungen in Luchsrevieren ergeben eine Beutezahl von einem Stück Rehwild pro Jahr auf einer Fläche von 100 Hektar.

Einfluss auf Jagdpacht

Pläne der Jäger gehen von einem Abschuss zwischen einem und zehn Stück Rehwild auf derselben Fläche im Jahr aus. Diese Zahlen errechnen sich aus dem Bestand und der Reproduktionsrate, die je nach Nahrungsangebot sehr stark differiert“, erklärt der Förster im Ruhestand.

Jetzt, da der Luchs wieder heimisch werde, müsste auch die Abschussrate neu festgelegt werden, denn der Luchs hilft bei der Regulierung des Wildbestandes mit. „Wenn durch den Luchs der jagdliche Erfolg weniger wird, ist es angebracht, den Grundstückseignern, die Jagden verpachten, klar zu machen, dass die Zeit der astronomischen Pachtpreise zu Ende geht“, merkt Tiede an.

Von Mario Reymond

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